Test Spider Pro Camera Holster

Wir fahren demnächst in den Urlaub nach Kroatien und für mich stand wieder das lästige Problem an: Wie transportiere ich mein Kamera-Equipment? Das wird ja auch mit der Zeit nicht geringer. Selbst wenn man sich bescheidet, ist eine Spiegelreflex nichts, was man eben mal in die Tasche steckt. Und auch dann, wenn ich ein „Immerdrauf“-Objektiv montiere und nur die Kamera mitnehme finde ich den Transport (und schnellen Zugriff) problematisch.

Für den Transport des (fast) gesamten Equipments, incl. Stativ, wenn es denn sein muss, habe ich mir vor einem Jahr einen Sling-Rucksack von Tamrac zugelegt, der sich ganz gut bewährt hat. „Sling“ nennt man die Taschen, die mit einem Riemen schräg über dem Oberkörper getragen werden und mit einem Zug – ohne die Tasche abzunehmen – vor den Körper zu ziehen sind. Sofern die Öffnungen geschickt plaziert sind, kann dann die Kamera von oben aus der Tasche entnommen werden. Der Tamrac hat noch zusätzlich die Möglichkeit, einen zweiten Schultergurt hervorzuzaubern und die Tasche wirklich als Rucksack zu tragen.

Aber heute soll es darum nicht gehen, sondern um den täglichen Transport des Body’s mit einem ausgewählten Objektiv:

Für mich persönlich haben sich weder die Standard-Trageriemen aus dem Lieferumfang der Kamera (rutschen, verdrehen sich und schneiden ein), noch die Spezialgurte wie z.B. die diagonal getragenen Sunsniper oder Blackrapid-Gurte bewährt.

Mich engen die Teile letztlich ein und ich finde die Kameraposition störend und nicht so zugriffsfreundlich. Selbstverständlich ist das Geschmackssache. Andere sind damit hoch zufrieden. Eine Zeitlang habe ich eine große Tasche am Gürtel getragen, die aber natürlich unförmig vom Körper absteht und ebenfalls deutlich die Bewegung einengt. Der Vorteil liegt natürlich in der Geschütztheit gegen kleine Regenschauer und der Möglichkeit zusätzlich Kleinteile, wie Filter, Geldbeutel oder Autoschlüssel in der Tasche verstauhen zu können. Also habe ich beschlossen, auf die „Hülle“ zu verzichten und mir einmal den Spider Holster Gurt anzuschauen. Auf dem Foto oben ist ein Überblick zu sehen. Geliefert wird ein robuster Nylon-Gürtel mit zentraler Frontschließe und einer daran befestigten, halbfesten Stoffplatte, die auf einer Seite der Hüfte in Richtung des seitlichen Oberschenkels ausläuft. Darauf liegt beim Tragen die Kamera auf, damit sie nicht am Körper scheuert. Meine durchaus vorhandene Skepsis gegenüber dem System lag auch darin begründet, daß es mir groß und wenig bequem schien, wenn ich mir die Werbefilmchen im Internet ansah. Das ist aber erfreulicher Weise nicht so. Der Gürtel trägt sich – auch mit Kamera – erstaunlich bequem und unauffällig. Auf der Laschenseite des Gürtels ist dann eine Rastschiene befestigt, an der die Kamera beweglich eingehängt wird. Diese Metallraste ist aus technischer Sicht ausgesprochen robust und vertrauenerweckend gefertigt. Auf den Kamerabody wird von unten (in das Stativgewinde) eine Adapterplatte geschraubt, auf der ein massiver Metall-Kugelpin aufgeschraubt ist. Dieser Pin wird in die Führungsschiene am Gürtel eingerastet. Die Rastung erfolgt automatisch, so daß ein Herausheben der Kamera nur nach Betätigen eines Lösehebelchens funktioniert. Nach einiger Zeit der Übung kann die Betätigung des Hebelchens gleichzeitig mit dem Herausheben der Kamera aus der Führung geschehen – und zwar einhändig:

Zum Herausheben der Kamera wird der kleine Hebel nach oben gezogen. Wird er nach ganz unten eingerastet, ist eine zusätzliche Sperre aktiviert und der Body hängt unverrückbar an Ort und Stelle. Normalposition ist in der Mitte – beim Einhängen schnappt der Hebel über und sperrt die Kugel und lässt sich durch Anheben wieder lösen.

Entschuldigung für das unscharfe Foto – die Handyoptik hat nicht gut fokussiert. Der Rastpin ist dennoch gut zu erkennen. Neben dem Fuß der Rastkugel ist links ein weiteres, alternatives Gewinde zu erkennen, in das der Kugelpin geschraubt werden kann. Damit lässt sich die Position der Kamera – abhängig von deren Schwerpunkt (mit Batteriegriff, Blitz, Kameratyp,…) justieren.

Wenn die Kamera eingehängt ist, weist das Objektiv nach hinten und ein eventuell montierter Blitz nach unten. Der Boden des Kamerabodys liegt oben. Man kann hier gut erkennen, daß ich einen zusätzlichen Acratech-Adapter für den Stativkopf montiert habe. Ich muss also daß System nicht demontieren, um das Stativ zu nutzen. Einfach Kamera herausheben und aufs Stativ setzen und schon kann es weitergehen…

Die Bodenplatte kann sich übrigens gegen die Kamera nicht verdrehen, weil die Platte leicht um die Gehäusekante des Bodys greift. Der Nachteil dieser Struktur liegt darin, daß Sony-Kameras (wie meine), die sehr kompakt sind, nicht so variabel mit der Adapterplatte harmonieren. Ein Drehen um 180° funktioniert bei der Sony Alpha 580 nicht, weil das schwenkbare Display sonst an der Adapterplatte klemmt. Bei den nachfolgenden Alpha-SLT-Kameras dürfte das identisch sein.

Der Body mit Adapterplatte und Arcratech-Stativplatte von unten gesehen. Der Kugelpin liegt für Rechtshänder links.

Sicht auf den Kamerabody von seitlich links.

Hier ist recht gut zu sehen – vielleicht auch nur zu ahnen – daß der Kugelpin beim Gesamthandling des Bodys kaum stört. Allerdings liegt die Kamera auf einer ebenen Fläche aber nicht mehr plan auf. Lagestabil ist sie jedoch.

Im folgenden Foto sieht man zu guter Letzt noch die Gürtelschliesse. Die Schliesse ist nicht wie normale Rucksackgurtschliessen ausschließlich mit den beiden Federmulden aussen zu öffnen, sondern es muss gleichzeitig der längliche Knopf in der Mitte der Schliesse gedrückt werden. Ein unbeabsichtigtes Öffnen oder ein geschickter Diebesgriff  ist damit unmöglich. Die Längeneinstellung des Gürtels dürfte übrigens allen Körperumfängen genügen – von sehr schlank bis deutlich korpulent. (Ersteres und Letzteres konnte ich natürlich nicht persönlich testen 😉 )

Fazit:

Natürlich muss sich der Tragegurt bei mir noch im Einsatz bewähren, aber er ist jedenfalls hervorragend durchdacht und man merkt ihm die Entwicklung in der Praxis an. Es gibt auch eine Ergänzung für Berufsfotografen (z.B. Hochzeitsfotografen), die das Tragen zweier Kameras ermöglicht.

Nachteile liegen in der Ungeschütztheit gegen Regen und Schläge und man sollte eventuell die Kamera bewusst herausnehmen oder zusätzlich gegen Absturz sichern. Bei meiner Sony ist die Griffmulde so geformt, daß ich sie einhändig sehr fest im Griff haben kann. Für andere Kombinationen aus Hand und Kamerabody mag das etwas anders aussehen und die Kamera könnte einem beim Herausnehmen ungesichert aus der Hand gleiten. Das wäre natürlich extrem ärgerlich. Insofern ist das Halfter vielleicht nichts für zappelige Naturelle.

Die Ansicht des Systems mitsamt Kamera von aussen ist zwar vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber sie steht nicht so weit seitlich hinaus, wie man meinen könnte und sieht auch nicht so martialisch aus, wie man vermuten könnte. Die Optik ist weit weg von „Django mit Pistolengurt“.

Ich habe im Moment noch den Original-Kameragurt montiert, glaube aber, daß ich mittelfristig darauf verzichten werde und statt dessen eine seitlich Handschlaufe anbringen werde. Damit baumelt dann auch nichts mehr herum. Ich stecke im Moment den Gurt einfach in die Jeanstasche oder hänge die Mitte über den Body. Wem die Ansicht des Gurtes oder dessen Tragekomfort nicht taugen sollte, der kann die metallene Tragelasche auch vom Gurt demontieren und sie mit Hilfe eines Verschraubbaren Clips auf einen normalen, festen Ledergürtel stecken. Es werden auch Adapter für andere Kamerazubehör-Gurtsysteme angeboten.

Ach ja – last, but not least: Der Preis ist wirklich ziemlich unverschämt – das System kostet 150,- Euro (plus Acratech-Adapterplatte). Da die Verarbeitung nahezu perfekt ist und die Fertigung viel Handanteil hat, kann man das vielleicht gerade noch akzeptieren, aber dafür muss das Teil schon richtig was leisten! Es gibt aus meiner Sicht leider auch keine echte Alternative.

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11 Gedanken zu „Test Spider Pro Camera Holster

    • This is a review of a camera carrying system. An american product by the way… 😉 Have you tried the option „show this site in english“? The translation is an automated one – offered by google. The result sometimes are funny or misunderstandable, but I think it might fulfill minimum needs.

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  1. Wie praktisch würdest du die handhabung des Spider pro sehen wenn man ihn an die Stativschelle eines objektives statt an die Kamera schraubt? Habe ihn vorhin bestellt und habe aber nun bedenken das die Spider-Platte an einer Stativschelle etwas unförmig/störend ist. brauche ihn aber nur für meine kamera+Tele

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    • Mal davon abgesehen, daß Du ein bisschen basteln müsstest, weil ja die Stativschelle kein Gewinde aufweist, glaube ich in der Tat, daß das nicht vorteilhaft wäre. Die Adapterplatte vom Spider würde über die Schelle überstehen und vermutlich fies drücken. Und außerdem würde es wohl auch seltsam aussehen. Am wesentlichsten finde ich jedoch die Balance der Objektiv/Body-Einheit, die am Spiderholster nicht mehr stimmen würde. Das Objektiv stünde sicherlich recht weit ab – was ohne Zweifel lästig wäre. Ausserdem lebt der Spiderholster davon, daß das Gewicht am Body die Kamera dreht und damit stabilisiert. Ich glaube, Dein Konstrukt würde lästig herumzappeln…
      Ist denn das Tele so groß und schwer, daß Du Bedenken hättest, den Body und die Verschraubung durch normale Montage zu stark zu belasten? Ich habe schon den Body plus 1,5 Kilo schweres Tamron 70-200/2.8 am Spider getragen. Super bequem ist das nicht mehr, aber es geht durchaus…

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      • Ach herrje… naja meine Kamera ist eine Nikon d5200 und dadas Objektiv wiegt 2kilo.
        Nutze es eben hauptsächlich in der Natur beim wandern und dafür das Holster wäre schon geil.
        Habe an meiner stativschelle aber eine Platte mit Gewinde dran. Die ist von meinem carry speed cs pro mark2-schultergurt, vielleicht habe ich Glück und es passt.
        Möchte aber gerne eine Lösung wo ich nix umhängen muss

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      • Tja, wahrscheinlich musst Du es einfach testen…
        Aber ich vermute, Du wirst besser damit fahren, die Platte am Body zu montieren, wie vorgesehen.
        Wenn’s gewichtsmäßig klappt, ist die Entlastung der Schulter und des Rückens jedenfalls eine coole Sache! 🙂

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      • Was ganz einfach geht ist: einfach den PIN in die Stativschelle drehen (ohne Adapterplatte). Jetzt drückt nichts mehr und das 400er Tele hängt nicht mehr hahezu senkrecht runter.

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