Retrospektive, Teil 3: Telefon

Mangels eigenem Oldtimer-Telefon, denn – mal ehrlich – die Dinger waren aus heutiger Sicht einfach unpraktisch – habe ich mir ausnahmsweise ein Bild bei Wikipedia geliehen:

waehlscheibentelefon

By Achimsh (Own work) [CC-BY-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

Dies war das seit den 70er Jahren weitverbreitete Massenmodell FeTAp 611-1 von Siemens in kieselgrau. Später gab es dieses Modell dann in orange und grün – dem Zeitgeschmack entsprechend. Mit der Wählscheibe eine längere Nummer zu wählen, konnte damit wirklich in Arbeit ausarten, vor Allem, wenn viele hohe Ziffern darin enthalten waren. Das Rücklaufen der Scheibe von einer 9 (oder einer 0) dauerte ca. 1 Sekunde! Und wenn man sich verwählte, gab es selbstverständlich keine Wiederwahl-Taste. Aber die wirkliche Hölle bei den Geräten war das Kabel. Ich glaube, 5 m Länge war der Standard, aber damit kam man selbst in einer Studentenbude nicht unbedingt überall hin. Also besorgte man sich ein 12 m langes Kabel. Das sich natürlich noch viel heftiger verdrehte. Am Zustand der Telefonschnur konnte man recht gut ablesen, wie ordentlich der Besitzer oder die Besitzerin war…
Weiss noch jemand, daß man auf den Hörer klopfen musste, wenn die Tonqualität mal nicht so toll war? Die Telefone hatten Kohlemikrofone, die manchmal „aufgeschüttelt“ werden wollten, damit es wieder rauschfrei klang. Insgesamt waren die Dinger aber unglaublich robust. Abstürze, Begießen mit Kaffee oder Tee, Dauerbenutzung über Jahre – sie steckten es alles weg! Dennoch kann ich die Menschen nicht verstehen, die sich die Dinger wieder ins Wohnzimmer stellen, weil es ja ach so retroschick und stylish ist. Es lebe das Akku-Schnurlostelefon mit Tastenwahl, Telefonspeicher, eingebautem AB und wählbarer Anrufmelodie! Kann sich noch jemand an das schrille Gebimmel der Wählscheibentelefone erinnern? Dabei waren das schon Zweiklang-Glocken! Die noch älteren Bakelit-Telefone waren noch impertinenter vom Klang. Wenn ich mir heute mein Smartphone mit Touchscreen und schnellem Internetzugang anschaue, mit dem ich Netzzugang selbst in der Serengeti habe, so ist das eine vollkommen andere Welt.

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7 Gedanken zu „Retrospektive, Teil 3: Telefon

  1. Bei uns in der Arbeit ist ein altes Bakelit. Und es läuft immer noch – auch an einer aktuellen Telefonanlage. Mal sehen, ob ich davon ein Foto ergattern kann…
    Bei uns daheim war später das Modell Dalles mit 10m Schnur sehr beliebt…

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  2. Aber war das Dallas nicht schon ein Tastetelefon? Grübel…
    Wenn Du ein Foto von dem Bakelit-Telefon machen kannst, ergänze ich das natürlich gerne. Prinzipiell laufen alle alten Telefone an modernen Anlagen. Es muss nur ein analog/Digitalwandler dazwischen, damit die digitale Tonwahl, statt der alten Impulswahl emuliert werden kann.

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