Mensch aus Glas…

Eigentlich sehe ich diesen Blog als Mittel selbst Spaß zu haben und anderen Menschen ebenfalls Spaß zu bereiten, wenn es denn gut läuft und ich vielleicht ein paar Dinge richtig mache. Unverkrampft und locker. Man lernt Menschen kennen, ist fröhlich, freut sich an der Kunst und den Ideen anderer.
Aber wenn etwas so schief läuft, wie es das im Moment tut, dann kann ein Blog auch zum Weg werden, sich deutlich und klar zu artikulieren. Und wenn es dann wiederum gut läuft, dann wird man gehört, verstanden und unterstützt.

Ich sage hier heute ganz laut und deutlich, daß die Spionagetätigkeit der Geheimdienste im Internet eine bodenlose Unverschämtheit und klare Verletzung der Menschen- und Persönlichkeitsrechte ist!

Viele unbescholtene, gutgläubige Bürger neigen dazu, diese Vorgänge abzutun. „Ich habe nichts getan und nichts zu verbergen. Das betrifft mich ja nicht.“
Das ist leider zu kurz gegriffen und ganz einfach nicht richtig.

Die Tatsache, daß heute offenbar jede Regierung in jeden email-Verkehr gezielt hinein schauen kann…

(und nicht nur in die Metadaten, also die Absender- und Empfänger-Daten), sondern auch die tatsächlichen Inhalte, ist ein Drama! Es bedeutet nichts anderes, als daß unsere eigene Regierung und deren „Freunde“ uns allen grundsätzlich misstraut. Sie möchte am liebsten in unsere Köpfe schauen und unsere Gedanken erfahren, noch lieber gleich beeinflussen oder steuern. Das ist ein erster Schritt – und kein kleiner – zu einem Überwachungsstaat und einem totalitären Regime.
Das sei überzogen formuliert, sagt Ihr?

Die Firmen, die gute  Verschlüsselungssoftware für E-mails in den USA herstellten, also es ermöglichten, das Briefgeheimnis trotz Überwachung weiterhin zu wahren, sind gerade massiv unter Druck gesetzt worden und haben ihre Tätigkeit einstellen müssen. Sie wären sonst als „Staatsfeinde“ angesehen worden und hätten mit Gefängnis und womöglich Schlimmerem rechnen müssen. Wohlgemerkt: „Auch in den USA gehören Meinungs- und Handlungsfreiheit ( auch das Briefgeheimnis) zu den von der Verfassung garantierten Grundrechten.
Wie würdet Ihr einen Staat nennen, der seine Verfassungsrechte mit Füßen tritt und seine Gegner verfolgt und mundtot macht?
Und was soll man eigentlich denken, wenn ein Staat auf der einen Seite Russland dafür verurteilt, seine Bürger mit rüden, menschenverachtenden Methoden zum Schweigen zu bringen und auf der anderen Seite beginnt, sich selbst in die gleiche Richtung zu entwickeln?
Das macht Euch alles noch keine Angst?
Die meisten Menschen haben mittlerweile viele persönliche Zugangskonten im Internet. Alle diese Zugangs-Accounts sind über Passworte zugänglich. Der Haken an der Sache ist, daß sich natürlich kaum ein Mensch für jeden Account ein eigenes Passwort merken kann. Also nimmt man immer das Gleiche. Meistens sogar für das Homebanking. Und für den email-Account. Und damit man sich dieses Passwort gut merken kann, nimmt man seinen Nachnamen. Oder vielleicht noch plus Geburtsjahr hinten dran. Oder den Namen der Liebsten oder des Haustieres. Und bloss nicht zu lang – sonst vertippt man sich so leicht! Dabei wird leicht vergessen, daß heute bereits Homecomputer schnell genug sind, einfach stumpf Millionen beliebiger sinnvoller Kombinationen bei der Anmeldung automatisch auszuprobieren. Dafür gibt es spezielle Hackersoftware, die auch die gängigsten zig tausende Passworte kennt und als erstes durchprobiert. Natürlich auch „BradPitt“, „Pamela Andersson“, „Passwort“ und „Schatzi“…
Und wenn man es sich als Ganove einfach machen will, beauftragt man im Internet einen kriminellen Dienstleister vom Fach. Oder – wenn man die NSA ist – betreibt man dafür eine hundertköpfige, modern ausgestattete eigene Abteilung. Da über Facebook, Twitter, Xing, Google+, Payback-Karten, etc. viele private Daten offen online zu finden sind, kann man über viele Menschen recht umfangreiche Profile anlegen und es den Spezialisten leicht machen, die richtigen Passwörter zu finden. Und dann sind da ja noch Google, Facebook und Microsoft, bei denen Eure Daten und Vorlieben nicht einmal abgehört werden müssen. Diese Firmen – und vermutlich noch viele weitere – haben, ob nun aus falsch verstandenem Patriotismus oder aus Angst, den Geheimdiensten offenbar freiwillig umfangreiche Datenmengen zur Verfügung gestellt. Da Google weiß, was Ihr sucht, wissen es auch der BND und die NSA. Seid Ihr in Geldnot und sucht einen Kurzkredit? Wollt Ihr fremdgehen und treibt Euch auf einer Affairenplattform herum? Interessiert Ihr Euch für Politik und informiert Euch auch über kleinere Alternativparteien? Fühlt Ihr Euch zum gleichen Geschlecht hingezogen und chattet auf entsprechenden Plattform? Gehört Ihr einer Religion an, die eher eine Minderheit in Eurem Land darstellt? Google weiß es und auch die Geheimdienste.
Und dann? Wenn Eure Passworte den Geheimdiensten auch bekannt sind – was geschieht dann? Dann macht Irgendwer „lustige Dinge“ mit Euren Accounts. Zum Beispiel Geld an Terroristen überweisen. Die Steuerdaten durch Elster-Online neu ordnen. Überteuerte Kredite beantragen und mit dem Geld afghanische Partisanengruppen finanzieren. Ihr kennt keine? Das glaubt Euch niemand, weil Ihr Euch doch neulich noch so nett über Xing, Facebook und Email unterhalten zu haben scheint.
Das ist kein Witz! Das geschieht auf der Welt in mehreren Tausend Fällen pro Jahr. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein, weil die Behörden diesen Menschen vermutlich gar nicht glauben oder womöglich selbst die Ursache sein könnten.
Was ich damit sagen will: Individuen sind für Regierungen nicht relevant. Das Schicksal Einzelner, die unschuldig unter die Räder kommen, um „potentiellen Schaden für das Land“ abzuwehren, ist unerheblich. Und Geheimdienste, die dazu neigen sich zu verselbständigen und kein Unrechtsbewusstsein für Straftaten zu haben, wenn es um sie selbst geht, machen die Situation nicht besser.

Für alle, die den Kern des Problems nun erkannt haben und sich weiter informieren möchten, hier noch ein Link zu einem nett gemachten Info-Comicfilm auf Youtube, in dem es über den Überwachungsstaat geht. Locker und lustig im Stil, aber knallhart in der Aussage und leider nur allzu wahr.

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8 Gedanken zu „Mensch aus Glas…

  1. Das ist doch alles nur für eine „gute“ Sache.
    Der Rest ist halt durch unsere Politik(er) akzeptierter „Kollateralschaden“…. Hauptsache die Wiederwahl, Rente und Folgeposten in der Wirtschaft sind sicher…
    Oh… wer hat das jetzt mitgeloggt???

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