Original und Fälschung

Wie immer, wenn ich früh morgens mit Maya über die Felder oder durch die Isarauen strolche, hatte ich die Spiegelreflex nicht mit. Aber dieser Morgenhimmel war mal wieder von der unwiderstehlichen Sorte. Photoshop hat aus 3 Handy-Fotos eines gemacht. Die Farben habe ich vollständig so belassen. Der Eindruck, als wenn eine Seite des Panoramas mit einem farbigen Verlaufs-Filter belegt sei, entstand ganz natürlich.

Wer mich mittlerweile kennt, hat es sicherlich schon geahnt – ich konnte nicht widerstehen und habe Kontrast und Farben hochgeregelt und die Tiefen und Lichter etwas modifiziert, so daß die Farben richtig „knallten“:


Natürlich ist das Ergebnis etwas übertrieben und trotzdem habe ich auch etwas übrig für diese Popart-Natur. Seht Ihr, wie das tief stehende Sonnenlicht auf der Scheunenwand rechts leuchtet?

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20 Gedanken zu „Original und Fälschung

      • Fast kein Mensch hat das exakt gleiche (biologisch gegebene) Farb-Feinempfinden wie der andere, genau wie wir auch nicht alle exakt dieselben Frequenzen gleich gut hören. Wenn man dann noch den „emotionalen Filter“ berücksichtigt, den jeder Mensch seinem Wesen nach dem aufprägt, was er betrachtet, wird das Spektrum noch breiter und noch weniger zu richten zwischen legitim und geradezu „verboten“.

        Nicht entschuldigen, nicht erklären – machen! und dem Verständnis der Betrachter überlassen, wie alles andere im Leben auch.

        Komisch eigentlich, dass es zu Schwarzweissbilder keine solchen vorwurfslastigen Diskussions-Bedürfnisse gibt, da wird allenfalls die Technik diskutiert, aber nicht „Original“ und „Fälschung“, dabei sehen wir auch nicht schwarzweiss, es wäre also auch Fälschung.

        Allein schon durch die vom Fotografen getroffene Wahl des Blenden-/ Zeit-Verhältnisses wird die Tiefenwahrnehmung um das Fokussierte herum „verfälscht“ und sogar unsichtbar macht, und über die Wirkung von Weitwinkeln und Zoom-Objektiven bräuchte man gar nicht mehr zu reden: das ist absolut „unecht“, ohne auch nur mit einem einzigen Filter herumgespielt zu haben.

        im Grunde ist ein Fotograf bereits subjektiv, sobald er auf den Auslöser drückt und seine Wahl trifft, auch ohne Korrektive.

        Ich mag beide Varianten der Bilder, und habe selbst schon Tage mit Himmelsfarben gesehen, wegen denen ich das untere Bild für das „tatsächliche“ gehalten hätte, nur dass die Kameras Probleme damit haben, das „wahrheitsgemäß“ zur Zufriedenheit aufzunehmen.

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      • Wow – was für ein Plädoyer! Entschuldigen wollte ich mich auch für nichts, nur etwas erklären. Wie Du sagst: „Die bearbeitete Version trifft das, was ich wahrgenommen habe viel eher, als das, was die Kamera aufgenommen hat.“ Was Du zum individuellenn Frabempfinden sagst, ist übrigens interessant! Es gibt ja schließlich keine Farbreferenz-Karten für menschliches Farbsehen. Wir wissen ganz einfach nicht, wie andeRe Menschen ihre Umwelt wahrnehmen. Kleine Kinder lernen gewissen eigenen Farbempfindungen Begriffe zuzuordnen. Das heißt nur, daß später 2 Menschen das selbe Wort für ungefähr die gleiche Farbe nutzen. Es kann aber physiologisch durchaus sein, daß der eine seine Umwelt z.B viel „blauer“ als der andere wahrnimmt.

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  1. Der Farbverlauf liegt wohl am automatischen Weißabgleich der Handyfotos. Interessanter Effekt. Wenn auch der Landschaftscharakter im Panorama darunter etwas leidet. Wird dadurch experimenteller. Besonders die linke Seite mag ich auch „hochgeregelt“ sehr gern.

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    • Das spielt da etwas mit hinein, aber der Farbverlauf war auch in natura vor dem bloßen Auge vorhanden. Offenbar weil die Beleuchtung sehr einseitig war. Die Dämmerungsseite rechts war erheblich dunkler und damit auch blauer als Links. Das Handy hat allerdings auf der hellen linken Seite mehr grünstich hineingebracht, als wirklich vorhanden war.

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  2. Ist das Schnee? Sag‘ nichts, das ist doch Schnee, das weiße da?! Das ist so unfähr. Wir hocken hier immer noch im Regengrau und müssen aufpassen, dass die Weihnachtsdeko nicht zugematscht wird. ich glaube, ich suche mir auch einen Job in einer Schneeregion!

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    • Und ob das Schnee ist! Ich bin gestern morgen durch dichtes Treiben fetter Flocken hindurch zur Arbeit gefahren. Hinter einem Benz mit Sommerbereifung (und Heckantrieb) her, der einen schwer beladenen Anhänger zog. Der Freak hat ungelogen die volle Strassenbreite gebraucht, um sein schlingerndes, tanzendes Gespann zu bewegen. Wie eine bekiffte Klapperschlange! Zieh in den Schnee und Du hast Spaß ohne Ende! :mrgreen:

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  3. Ich mag so extreme Überarbeitungen manchmal ganz gern – bei Instagram mache ich das auch bevorzugt bei Sonnenauf- und untergängen 🙂
    Dein Bild gefällt mir bearbeitet auch besser, gerade wegen der Spiegelung in der Scheune und dem tollen Farbverlauf im Himmel!
    LG, Consuela

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  4. Es gibt auch die Gegenbewegung: SOOC „Straight Out Of Camera (not Photoshopped)“. Mir gefallen Deine beiden Bilder sehr gut und ich schließe mich u.a. Autopict, Puzzleblume gern an. Die Grenzen sind fließend. Viele sehen zwar dasselbe aber nicht immer das gleiche 😉
    Das einfachste, was ich gelernt habe, ist, sich nicht an starre Regeln zu halten und sich frei in seiner Sichtweise zu entfalten. Und Deine Sichtweise mag ich.

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    • Du bringst es gut auf den Punkt, Stefan! Starre Korsetts sind mir ein Gräuel. Jede/r sollte nach seiner oder ihrer Façon glücklich werden. SOOC kann ja jeder gerne machen der möchte. Mir ist das zu puritanisch. Das hat für mich etwas Verkniffenes. Es gibt schon genug Regeln auf der Welt – ich muss mir nicht noch eigene dazu basteln. Ich freue mich jedenfalls, daß Dir auch die Fälschung gefällt! 🙂

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    • Ich finde, wenn man das Original gesehen hat, hat man einfach einen anderen Zugang zum Bild. Deswegen interpretiere ich die Originale gerne. Ich möchte gerne erreichen, daß d. Betrachter/in nachvollziehen kann, wie das Gefühl beim Betrachten war. 🙂

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