Reiseliteratur: Ein Tor zur Welt (Teil 1/8)

Die wenigsten von Euch werden bisher wissen, daß ich einmal ein Unternehmen für geführte Motorradreisen hatte. Das kam nicht von ungefähr, denn es verband meine großen Interessen für das Motorradreisen und für fremde Länder und Kulturen. Wenn man dann noch weiß, daß ich eine begeisterte Leidenschaft für das Lesen habe, verwundert es sicherlich kaum, daß ich mittlerweile – neben hunderten weiterer Bücher aller möglicher Genres – eine kleine Bibliothek mit Reiseliteratur angesammelt habe. Damit meine ich natürlich keine Reiseführer, sondern persönliche Reisebeschreibungen von Menschen, die Kulturen von innen heraus und im täglichen Leben kennenlernen. Reisen prägt die Menschen, die da unterwegs sind. Sie lernen nicht nur das Land und die Menschen kennen, sondern auch etwas über sich selbst. Ein kleines bisschen dieser Horizonterweiterung kann auch auf die Leserin oder den Leser eines guten Reisebuches überspringen. Und… es geht nicht um Fiktion, sondern all‘ diese spannenden Dinge geschehen in der Welt um uns herum tatsächlich!
Ich habe für Euch einen kleinen Querschnitt der Bücher herausgesucht, die nicht nur Reisefreunde begeistern werden und habe dabei die Bücher weitgehend ausgenommen, die sich mit dem Motorradreisen beschäftigen. Obwohl diese häufig, über die Reiseart hinaus, sehr interessant sind, denn es reist sich recht intensiv mit dem Zweirad. Ich stelle hier mal die These auf, daß eine Reise um so intensiver wird, je langsamer das Fortbewegungsmittel ist. Vorausgesetzt man reist auf eigene Faust und nicht geführt in einer größeren Gruppe. Eine Ausnahme stellen vielleicht Sammeltaxis und Busse in der dritten und vierten Welt dar – das ist sicherlich fast so kontaktintensiv, wie zu Fuß gehen…

Den Anfang machen heute die Blue Highways von William least heat moon.

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Das Buch ist eines meiner Lieblingsbücher überhaupt.

Der Titel beinhaltet ein Wortspiel, denn gemeint ist nicht nur die Einsamkeit der beschriebenen Nebenstrassen durch die amerikanische Provinz, sondern auch deren blaue Farbe im alten Rand McNally Strassenatlas, zur Hochzeit der alten Fernstrassen durch die USA, als die Amerikaner sich in den Ferien noch per Strassenkreuzer aufmachten um ihr riesiges Land zu erkunden und als die stylischen American Diners mit „Futtern wie bei Muttern“ noch nicht durch Ketten wie Mc D. verdrängt waren.
Least Heat Moon ist teilweise indianischer Abstammung. Als er seinen Job verliert, ihn seine Frau verlässt und sein ganzes Leben zerbröselt und seinen Sinn zu verlieren scheint, brechen seine rastlosen Wurzeln durch und er startet zu einer Auto-Rundreise durch die ganze USA. Und zu sich selbst. Auschließlich auf kleinsten Nebenstrecken fahrend, sieht er das Amerika der Hinterhöfe, des Verfalls und der gescheiterten Existenzen. Aber er stößt auch überall auf amerikanische Geschichte und Geschichten, auf Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, auf skurile Eigenbrötler und auf einfache, aber warmherzige Menschen, die – ganz unamerikanisch – hinter die Fassade schauen, anstatt eine aufrecht zu erhalten. Er lernt sich zu öffnen und seine Position innerhalb der Gesellschaft neu zu bewerten. Blue Highways ist ein Buch, daß die USA von einer den meisten Europäern unbekannten Seite zeigt. Keine Hightech, keine Party-Papphütchen, keine oberflächliche Jovialität oder spießbürgerliche Lebensentwürfe zwischen Highschool-Fassaden und Klonlebensmitteln aus dem Walmart. Das Buch zeigt ein Amerika mit eigenem Tempo und einer tiefer liegenden Menschlichkeit. Die USA sind eben nicht nur ein Volk voller NSA- Fans und ungebildeter Hohlköpfe mit dicken Brieftaschen, sondern riesig groß und entsprechend vielschichtig. Das merkt auch William Least heat moon auf seiner Reise und er schöpft neue Kraft aus den Begegnungen mit den Menschen. Für mich ist dies ein Buch, das in der Lage ist, auch seine Leser wieder ein Stück zu ihren inneren Wurzeln zurück zu führen, sofern sie denn Willens sind richtig zuzuhören.

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12 Gedanken zu „Reiseliteratur: Ein Tor zur Welt (Teil 1/8)

  1. Hmmmh, so schnell kann ich nicht lesen, aber ein like gibt´s schon wegen des Coverfotos und weil es da noch so ein paar Dinge gibt, die ich noch machen möchte. Werde mal schauen, ob ich das Buch noch bekomme, vielleicht ist es ja der richtige Anschubser 😉

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  2. Pingback: Sonntagsleserin KW #12 – 2014 | buchpost

  3. Ich staune, aber sehr interessant. Werd ich mich mal damit auseinandersetzen. Ich les eh zu wenig, aber das interessiert mich jetzt auch. Man sieht dem Buch an, dass es „gelebt“ wurde…
    Schönen Sonntag

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  4. „Ich habe für Euch einen kleinen Querschnitt der Bücher herausgesucht, die nicht nur Reisefreunde begeistern werden und habe dabei die Bücher weitgehend ausgenommen, die sich mit dem Motorradreisen beschäftigen.“

    Ausgesprochen schade! Aber vielleicht darf ich dich diesbezüglich mal anmailen?

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    • Jederzeit gerne!
      Ich bin halt davon ausgegangen, daß die Bücher mit ausgeprägtem Motorrad-Reise-Fokus viele Leser/innen dann doch nicht so sehr interessieren. Ein besonderes aus dieser Kategorie habe ich sowieso dazwischen geschmuggelt… 🙂

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