Australien Teil 1 (von 7)

uluru

Freitag, 15.5.98

Um 4:30 Uhr war gnadenloses Wecken angesagt. Der Song aus dem Radio-Wecker, `Protect & Survive` schwirrte mir noch Tage später im Ohr herum. Christine war am Abend vorher schon bei uns angekommen und lieferte uns um 6:15 Uhr bestens am Flughafen ab. Der Flug nach London Heathrow dauerte nur 1,5 Stunden –die Warterei bis zum Weiterflug (4 Stunden) wurde uns doch ziemlich lang. Um 12:00 Uhr Londoner Zeit (13:00 Uhr Düsseldorfer Zeit) ging es dann weiter nach Singapore. Die British Airways-Mitarbeiterin in Düsseldorf hatte uns bis Singapore einchecken können, so daß wir Plätze in der Emergency-row bekamen, mit viel Beinfreiheit. Geschlafen haben wir trotzdem nicht viel. Um 8:00 Uhr Ortszeit (= 2:00 Uhr nachts in Düsseldorf) kamen wir in Singapore an. Der Flughafen ist sauber, groß und tatsächlich sehr gut organisiert, so wie es in allen Reiseführern beschrieben wird. Auch eine wirklich große Duty Free-Zone mit vielen Geschäften gibt es – aber wirklich preiswert ist eigentlich nichts.

Samstag, den 16.05.98

Das Gepäck mußten wir nicht annehmen, da es schon bis Brisbane abgefertigt war (check through). Ziemlich praktisch. Der Zoll ging ratz fatz, ebenso die Gepäckaufgabe unseres einen Rucksacks bis zur Weiterreise. Gut, daß wir uns vorher sehr leichte Kleidung zum Wechseln in den Rucksack gepackt hatten. Aus dem Flughafen heraus sieht das Wetter trügerisch kühl aus. Die Sonne ist durch den Dunst kaum zu sehen. Aber kaum traten wir aus dem Gebäude, kam der Hammer! Trotz geschätzter 34°C – für Singapore nicht viel- ziemlich brutige Hitze, weil die Luftfeuchtigkeit so hoch ist. Das klimatisierte Taxi brachte uns für $ 16,80 flott in die Stadt. Es fuhr uns ein ziemlich netter chinesischer Taxifahrer, der uns am „Peninsula Centre“ absetzte, wie gewünscht. Gott sei Dank waren wir beide inzwischen nicht mehr so müde. So standen wir also um 9:00 Uhr vor den meist noch verschlossenen Läden. Um 9:40 Uhr, nach einem Erkundungsrundgang, machte dann ein Fotogeschäft auf, daß ich im Internet herausgesucht hatte. Ein chinesischer Händler, der mir als (wichtigem) ersten Kunden des Tages ein klasse Angebot für den Nikon-Body F70 und das gewünschte Objektiv machte (unter $ 1000,-). Dann hat er allerdings für den Skylight-Filter, die Batterien und die Fototasche normale Preise plus etwas mehr verlangt. Um $ 10,- ist er noch runtergegangen, wurde dann aber richtig böse: Wenn ich sein gutes „Erster Kunde des Tages-Angebot“ nicht annähme, brächte das Pech. Na ja, recht hatte er. Unter dem Strich waren es zusammen $ 1.200,-  und ein gutes Angebot, was ich später auch nicht mehr unterboten sah. Internationale Garantie und Tax-Refund konnte er auch bieten. Der Tax claim am Flughafen ging excellent organisiert und sehr einfach über die Bühne. Allerdings habe ich nie irgendeinen Refund überwiesen bekommen. Der Händler hat sich einfach nicht darum geschert…

Ansonsten war Singapore aber eher ein Reinfall. Orchard Road war modern und extrem kommerziell – wie auf der Düsseldorfer Kö! Little India war auch zu Tode restauriert. Die Stadt ist in aller Regel sehr sauber und leider viel zu wenig ursprünglich. Ich denke aber, es würde sich lohnen mal einen 2-Tage Stopover für den Zoo und die Parks außerhalb zu investieren. Die Tempel sind von 12:00 Uhr bis um 17:00 Uhr geschlossen, so daß wir die kitschigen Gotteshäuser nur von außen sehen konnten. Dafür haben wir in Little India südindisch gegessen – nämlich Currys. Die waren derart feurig, daß uns die Luft wegblieb und mir die Nase lief. Als ich sie dann putzen wollte, kam direkt Blut, so offen müssen alle Poren gewesen sein! Geschmeckt hat es aber trotzdem, es war einfach nur etwas zu hot & spicy für unseren Geschmack – und ich esse wirklich gerne scharf. Mit total plattgelaufenen Füßen brachte uns ein grimmiger japanischer Taxifahrer zurück zum Flughafen Changi. Da haben wir erst einmal den Swimmingpool auf dem Dach des Flughafens besucht und uns anschließend umgezogen. $ 10,- sind ein stolzer Preis für die Nutzung des Pools und der Dusche (pro Person), aber es war absolut himmlisch, den Monster-Schweiss loszuwerden. Um 19:40 Uhr sollte es weitergehen. Ging es auch, aber für uns erst nach einem großen Palaver beim Check-In. Someone had cancelled our flight-tickets to Brisbane! Die Reisebüro-Angestellte Frau Deutsch, die Quantas, der böse Voodoo-Man? Das örtliche Quantas-Büro hat uns dann trotz komplett ausgebuchtem Flieger noch zwei Plätze geben können. Aber nix mit breiter Reihe! Unsere mittlerweile doch recht große Erschöpfung ließ uns trotzdem schlafen. Um 4:30 Uhr Ortszeit kamen wir in Brisbane an und – oh übergroßes Wunder- auch unser Gepäck. Es spannte uns allerdings auf die Folter, bis es sich endlich auf das Laufband bequemte.

Sonntag, 17.5.98

Der Tag begann mal wieder mit Warten, denn der Vermieter „Brits“ macht erst um 8.00 Uhr auf. An sich kann man natürlich nicht meckern; das ist ja immerhin schon recht fleißig. Das Auto ist nicht mehr so ganz taufrisch und hat 160.000 km auf der Uhr, ist aber gepflegt. Viel schlimmer ist die schlechte Ausnutzung des Raumes beim Ausbau. Kaum Stauraum für alles Gepäck! Gut, daß wir nur die weichen Taschen mitgenommen haben! Die ersten Kilometer waren ein echtes Abenteuer. Mit Linksverkehr hatten wir ja gerechnet, aber nicht mit Rechtslenkung und der Schaltung auf der linken Seite. Wer kann schon mit links schalten? Aaaahh!! Außerdem ist der Schaltknüppel ein ziemlich unpräziser, langer Rührlöffel, so daß es bei mir, wie auch bei Heike, des öfteren bestialische Schreie aus dem Getriebe zu hören gab! Aber das kann es offensichtlich ab…

surferparadise

In Palm-Beach haben wir dann den traumhaften Strand und die Surferwellen angeschaut und eine Pause gemacht. So langsam kam auch der Kopf im Urlaub an. Erst mußte mal etwas zum Trinken her. Das bekamen wir, ebenso wie andere Kleinigkeiten, in einer 24 h Supermarkt-Apotheke. Gut, daß uns die Preise die Schuhe auszogen, denn unsere Qualmfüße waren dankbar dafür. Mittlerweile hatte Heike das Steuer übernommen und sich auch schon mit unserem rödeligen Diesel arrangiert. Im kleinen Twead Heads hat uns dann endgültig die Müdigkeit übermannt und wir haben von 12.30 bis 16.00 Uhr im Auto geschlafen. Das war ein netter Platz, direkt am Austritt des Clarence-River, der übrigens ein breiter Fluß mit ordentlich Wasser ist, in der Breite mächtiger, als der Rhein bei Köln. Die ganze Landschaft ist ausgesprochen nett – grün, saftig und hügelig, mit vielen Obstplantagen und Eukalyptus- und Palmenhainen. Nun sind wir, wie geplant, bis Grafton gekommen und haben auch schon ein Abendessen (zum Preis von nur $8,-/Person) mit reichlich Menü-Auswahl und Gängen hinter uns. So muß es sein! Auch die Menschen, denen wir bisher begegnet sind, waren sehr umgänglich und freundlich. Wie damals in Amerika – deutlich offener und netter, als es in Deutschland üblicherweise der Fall ist. Nun kann Australien kommen! Der Grafton Sunset Caravan Park hat uns zivile $ 12,- gekostet und hat laut Heike sehr schöne Duschen. Da gehe ich jetzt auch hin.

Montag, 18.5.98

Etwas später als eigentlich geplant, nämlich erst um 9.00 Uhr, kamen wir heute gut ausgeschlafen aus den Federn. Über Nacht hatte es ganz schön stark geregnet, morgens jedoch, war es wieder sonnig. Der Platz wird von jeder Menge Vögeln besucht, die allerlei Geräusche imitieren können. So wurde ich viel zu früh geweckt, von dem ohrenbetäubenden ‚elektronischen‘ Piepsen eines gefiederten Weckers, der sein Werk ganz ausgezeichnet verstand. Keine Ahnung wie die Übeltäter aussahen. Vielleicht waren es die Schwarz/weißen, die aussehen, wie eine eingelaufene Elster. Nach dem Frühstück ging es dann los in Richtung Armidale. Aber nicht auf der großen 15, sondern auf der kleineren, aber kürzeren Strecke über Nymboida und Clouds Creek. Alles beides ganz kleine Käffer, wo der Hund begraben liegt. Ca. 15 Kilometer vor Clouds Creek geht es auf einen hohen Paß hinauf und die Straße besteht von da an aus Schotter übelster Sorte. Mit unserem Toyota Landcruiser geht’s aber supergut! Jetzt wurde uns auch klar, warum die Einrichtung so robust und einfach ist. Alles andere würde auf der Stelle in seine Bestandteile zerfallen. Plötzlich merkten wir, wofür das Auto gemacht wurde! Die Gegend ist absolut phantastisch – und das Aussehen wechselt ständig. Mal aufgelockerte, liebliche, hügelige Landschaft, mal Regenwald aus Eukalyptus, Farnen und Palmen. Das sind die New England Tablelands. Da oben haben wir auch erstmals gesehen, daß wir im späten Herbst Australien’s unterwegs sind. Überall standen einzelne leuchtend rote und gelbe Ahorne und Birken.

herbstbaeume

Die meisten Bäume scheinen allerdings immergrün zu sein. Erstmals gab es auch Schilder mit Känguruh-Warnung und reichlich Kuh-Angst. Kurz vor Armidale haben wir Pause im Wollomombi-Fall’s Park gemacht. Es tat gut, sich die Beine zu vertreten! So eine kleine Nebenstrecke zu fahren, lohnt sich zwar außerordentlich, aber kostet viel Zeit. Die Wasserfälle am Wollomombi waren zwar mit hoher Fallhöhe ausgestattet, aber insgesamt gesehen doch recht mickrig (verglichen mit denen in Norwegen zum Beispiel). Die Flüsse führten einfach zu wenig Wasser, um Eindruck zu schinden! Aber auf den Lookouts war es eine großartige Aussicht in das steile Tal. Zwischen Armidale und Tamworth ging es dann auf dem Highway 15 wieder deutlicher schneller, als Vormittags. Ach ja, wir haben in Grafton beide Tanks mit Diesel aufgefüllt. Die Tankwartin freute sich und uns kosteten 135 Liter Diesel ca. $94,-, was nun wirklich nicht teuer ist. Der Wagen konsumiert ca. 15 Liter auf hundert Kilometer. Für den miserablen CW-Wert und sein hohes Gewicht eigentlich ganz passabel. Vor Tamworth war noch reichlich Känguruh-Angst, aber ohne Känguruhs. Die ließen sich nicht blicken. Im Wollomombi-Park soll es sogar Adler geben. (Zu diesem Zeitpunkt wußten wir noch nicht, daß es praktisch überall Adler gibt!) Kann sogar sein, daß wir welche von Ferne kreisen sahen. Hätten zwar auch Geier sein können, aber die gibt es, glaube ich, nicht in Australien. Außerdem gibt’s an der Straße nach Tamworth eine wissenschaftliche Zuchstation für Rinder und Schafe. Die Schafe sind wohl zu monströsen und raublustigen Werschafen gezüchtet worden. Jedenfalls sah Heike welche (ich nicht), die hatten Zacken auf dem Rücken, wie bestialische Wolldrachen.

Hier meine und Heikes korrigierende Skizze aus dem Tagebuch:

Oh! Mein Gott, noch bestialischer, als ich dachte! Wahrscheinlich hat es einen Ganzkörperlackanzug und eine Peitsche hinter der Scheune versteckt!

Die Wissenschaft ist schon gnadenlos! Andere Schafe wiederum hatten Anzüge an, die allerdings die Beine frei ließen. Es darf spekuliert werden, daß sie durch diese stabilen Überdecken vor den Angriffen ihrer raublüsternen Gefährten geschützt werden sollen.

In Tamworth haben wir dann angehalten, um in der Innenstadt etwas zu bummeln. Es hatte angefangen zu regnen, was aber wenig ausmachte, weil die Einkaufsmeile vor den Unbillen des Wetters durch Überdächer geschützt ist. Dort haben wir in einer zusätzlich auf den Verkauf von Bären spezialisierten Pottery zwei schöne blauen Kaffeetassen und den Teddybären ‚Bentley‘ gekauft. Bentley hat ein sehr bewegtes Vorleben als Sklave auf einem taiwanesischen Frachter, der von Vietnam nach Australien fuhr. Als ‚Wild Surfer‘ von Surfer’s Paradise, als Opalsucher im Outback und als berüchtigter Reiter der westaustralischen Post-Känguruh-Gesellschaft war er auch bekannt! Aber das bedarf eines gesonderten Berichtes und sei hier nur am Rande erwähnt. Leider hat er nur ausgezeichnete Ortskenntnisse, aber keinen Führerschein. Von Tamworth an fuhr daher Heike. Schon wieder bei Regen und einsetzender Dunkelheit. Da hilft nur besonders gute Konzentration, denn auf das Gebläse des 4WD kann man sich zum Schutz gegen beschlagene Scheiben nicht verlassen. Wieder standen an der Straße reichlich Känguruh- und diesmal auch Koala-Warnschilder.

 roosignIch hab’s ja kaum glauben können, daß die dort wirklich rumlaufen sollten, bis dann ein ziemlich dickes, großes Känguruh tot am Straßenrand lag. Unser Roo- und Moo-Bar am Auto hat schon seinen Sinn! Gegen 19.00 Uhr waren wir in Coonabarabran und fanden auch direkt einen Campingplatz, mit einer fetten und schmuddeligen, aber freundlichen Empfangsdame. Die hat uns ein Steakhaus empfohlen, dessen Steaks allerdings faserig und geschmacklos waren. Vielleicht schon mal eingefroren und dann in der Pfanne gebraten, statt auf dem Grill. An den Rindern kann’s nicht liegen, die sehen lecker aus, wenn sie so adrett auf den Weiden stehen! Da müssen wir wohl mal selber den Grill anwerfen!

Dienstag, 19.5.98

Heute war wieder Einiges los! Leider ist Heike gesundheitlich etwas angeschlagen. Sie hat eine leichte Kopfgrippe und Muskelschmerzen. Aber erst heute abend – es ist jetzt kurz nach 18.00 Uhr – kommt es richtig durch. Den Tag über ist sie ganz munter gewesen. Jetzt liegt sie vollkommen kaputt neben mir und schlägt, solange bis wir essen gehen. Apropos: der Mensch mit den zähen Steaks gestern, erzählte uns prompt wieder, daß sein Großvater aus Deutschland gekommen wäre – 1920 aus Essen. Wo wir jetzt sind, dürften auch einige deutschstämmige Menschen leben, Sie bauen hier in Mudgee nämlich Wein an. Aber zurück zum heutigen Morgen. Es war bildschönes Wetter und wir kamen früh aus den Federn. Auf dem Weg in den Warrumbungle-National-Park hielten wir noch kurz am Supermarkt, um unsere Bestände für das nächste Frühstück etwas aufzurüsten. Klar, daß es hier, wie in Amerika auch, die leckeren Pfannkuchen gibt. Das heißt, ob sie lecker sind, müssen Sie erst noch beweisen.

warrumbunglefettekarnickel

Warrumbungle war schon bei der Einfahrt in den Park bildschön! Auch hier eine Menge herbstlich gefärbter Bäume, da der Park etwas höher und damit kühler gelegen ist. Und dann kam jede Menge Viehzeug! Gleich am Anfang des Parks sahen wir Känguruhs und Emus frei laufen. Erstere neugierig, letztere sehr ängstlich.

emuDie Känguruhs gehörten, an der Färbung und der Größe sichtbar, verschiedenen Arten an. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch so begeistert, wie wohl jeder ist, der zum erstenmal diese skurrilen Tiere in freier Wildbahn sieht. Später in diesem Urlaub sollten uns solche Anblicke eher daran gemahnen langsam zu fahren, als Begeisterungsstürme zu entlocken. Es mag ja schon deutlich weniger Känguruhs geben als früher, aber im Outback laufen sie so zahlreich herum wie die Karnickel.

Im Visitor’s Center gibt es Informationen zu Walks und eine kleine Ausstellung zum Wildlife. $5 muß nur der bezahlen, der im Park bleiben möchte und dort wandert. Was wir natürlich getan haben! Wir haben uns einen Trail ausgesucht, der ziemlich hoch auf die Aussichtspunkte klettert, ca. 5 km in der einen Richtung durch den Eukalyptus-Mischwald und dann die gleiche Strecke zurück. Der Weg war gut angelegt, aber zum Ende so steil, daß wir keuchten wie die Lokomotiven. Und dann – wir wagten es kaum zu glauben – saß da auch plötzlich eine Koala in der Astgabel eine Eukalyptus-Baumes. Wir hatten die ganze Zeit schon immer mal wieder in die Baumwipfel hochgesehen, weil wir wußten, dass es die possierlichen Bären hier geben sollte. Aber angeblich sehr schwer zu finden und zu entdecken. Zunächst war er vollkommen verpoft, aber dann hat er doch zu uns herunter gesehen und kurz seinen dicken Po gelüftet, um sich anders zu setzen. Wirklich sehr nett, mit seinen Puschelohren! Koalas schlafen einen Großteil des Tages durch, um Energie zu sparen, weil die Eukalyptus-Blätter so wenig nahrhaft sind. Dazu ist das Grünzeug mit seinen ätherischen Ölen ja auch noch richtiggehend giftig, so daß die Koalas sehr wählerisch damit sein müssen, um keine Bauchschmerzen zu bekommen. Kein Witz! Kleine Koalas vertragen die Blattnahrung sogar nur von Muttern vorverdaut, weil Ihnen die Enzyme noch fehlen, um die Nahrung aufzuschließen. Manchmal ist es schon wunderlich, was für seltsame Spezialisierungen die Evolution so produziert.

koalaUnd zwei Kilometer später saß gleich der nächste. Diesmal ein deutlich kleinerer, wahrscheinlich noch jüngerer Bär. Der riß zwar seine großen Glupschaugen weit auf – so etwas wie uns hatte er wohl noch nicht gesehen – war aber ebenfalls ziemlich bewegungsfaul. Die Känguruhs, die wir anschließend im dichten Unterholz sahen, waren kaum scheu und sichtbar an Besucher gewöhnt. Soviel zur Unkenntnis des Koalas bezüglich uns Menschen… Kleiner Simulant! An die Känguruhs kamen wir bis auf fast 10 m heran.

vogelAls wir fast am Scheitelpunkt unserers Weges angekommen waren, stand dort eine Bank zum Rasten, mit Blick auf einen riesigen, schlanken Doppelfelsen, der aussieht wie ein erhobener (Zeige-)Finger. Als wir so auf der Bank saßen und unsere Müsli-Riegel auspackten, kamen uns zwei Vögel besuchen, die aussahen, wie zwei etwas zu schlank geratene Rabenkrähen. Einen schlankeren Schnabel als Krähen, und weiße Federn im Schwanz hatten die beiden. Und legten doch allen Ernstes die Köpfe schief und bettelten um Stücke unseres Beeren-Müsliriegels. Sie nahmen die angebotenen Stücke sogar aus der Hand. Wenn der Nachschub stoppte haben sie empört gekrächzt, die verwöhnten Viecher! Ich weiß, ich weiß – Sielmann hätte wieder protestiert. Diese seltsame Mischung aus wilden Tieren, die den Menschen dennoch kennen, ist uns überall in Australien wieder begegnet.

Im Park gibt es auch jede Menge Kookaburras, die australischen, ‚lachenden‘ Nationalvögel. Allerdings ziemlich scheu und nur von Ferne zu sehen und zu hören. Richtig menschlich lachen sie nicht, eher ein verlegenes, manchmal auch ziemlich hysterisch lautes Kichern und Glucksen.

ameisenigelAuf dem Rückweg aus dem Park, schon wieder im Toyota, hätte Heike fast einen Ameisenigel plattgefahren, der geschäftig aus dem hohen Gras entlang der Straße auf die Fahrbahn wuselte. Ich mir meinen Fotoapparat gegriffen und nix wie raus – aber da war er schon im Gras auf der anderen Seite verschwunden. Also bin ich auf die Wiese gestiefelt, wo er nach einer Weile auch tatsächlich erschien und ich ihn fotografieren konnte. So richtig gut fand er das nicht, vor allem als ihn auch noch der Aufhellblitz traktierte. Eingerollt hat er sich aber nicht, obwohl er das wohl könnte. Die sehen wirklich eigenartig und urtümlich aus, diese Stacheltiere! Ich weiß nicht, ob wir nur viel Glück gehabt haben oder ob die gar nicht so selten sind. Ich vermute eher ersteres, nachdem ich neulich hörte, daß sie im Zoo von Melbourne unter großen Schwierigkeiten Ameisenigel nachzüchten.

Von Coonabarabran ging es dann ein Stück auf dem Highway 34 weiter und dann in die Richtung Medooran, Dunedoo und Gulagang, bis Mudgee. Gulgong und einige andere Städte waren um die Jahrhundertwende Goldgräberstädte mit pulsierendem Leben. Davon ist heutzutage jedoch nichts mehr zu merken. Dornröschen schläft wieder! Unsere Entscheidung auf den kleineren Nebenstraßen zu fahren war richtig, weil die Straßen dort besser ausgebaut waren, als es auf der Karte zu vermuten war. Wir haben zwar eine bessere Straßenkarte erstanden, aber so richtig hochaktuell ist die auch nicht. Nun ja, was soll’s… Eines vergaß ich übrigens gestern zu schreiben: Und zwar sahen wir auf einem zum Teil zweispurig ausgebauten Highway, mit starkem Gefälle und Kurven, „Brems-Auslauframpen“! Wenn einem Laster dort die Bremsen versagen, dann kann er in der besagten Kurve geradeaus fahren und kommt entweder auf einer ansteigenden Rampe zum Stehen oder wird in einem Weichsand- oder Kiesbett gestoppt, in das er stark einsinkt. Dolle Sache das – wir fragen uns nur wozu?! Möglicherweise haben die Aussies keinen TÜV und die Trucker nutzen das übermäßig aus?

Hier geht es zu Teil 2 der Australien-Tour

Abkürzung zum Teil 3

Abkürzung zum Teil 5

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