Australien Teil 2 (von 7)

Mittwoch, 20.5.98

In den frühen Morgenstunden lachen die Kookaburras doch, und wie!! Freuen sich wie die Schneekönige und wecken arme Touris zu nachtschlafender Zeit. Heike hatte ja gestern schon einen Anflug von grippalem Infekt. Als sie heute aufwachte, war es endgültig vorbei. Sie ist vollkommen tüdelig im Kopf und begann deswegen den Tag als letztes Einhorn! Weil sie den – noch nicht eingerasteten – Klapptisch losließ und ihr dieser beim ungeplanten Runterklappen eine dicke Beule auf der Stirn verpaßte. Aua. Ich wurde derweil in den Waschräumen wieder bestens unterhalten. Von einem ehemaligen Holländer, der sogar noch minimal Deutsch sprach. Heute ist er 80 Jahre alt und Rentner. Erzählte mir von seiner fantastischen Kreuzfahrt nach Europa. Na ja, wat dem ein sein Uhl, is dem annern sien Nachtigall…

Beim Spülen wurde ich dann noch von einer vielleicht 6-jährigen Rotznase unterhalten. Sie sammelte und brachte mir einen schönen Wiesenchampignon, konnte sich aber überhaupt nicht vorstellen, daß sie den essen können sollte. Sie kannte die nur abgepackt aus dem Supermarkt. Scheinbar ist Mudgee nicht so ländlich wie ich dachte…

In vieler Hinsicht ist Australien sehr amerikanisch. Gestern abend waren auch viele Jugendliche in Ihren aufgemotzten Autos unterwegs – zum Cruising. Wir sind gegen 10.00 Uhr gen Lithgow gecruist, was sehr flott ging. Kurz nach 12.00 Uhr schon, waren wir im Geschäftsviertel der Stadt und parkten an der Hauptstraße. Heike war aufgrund Ihrer Grippe schon wieder hundemüde und wollte schlafen. Also bin ich eine Stunde durch Lithgow geschlendert, habe Aspirin und Halsschmerztabletten gekauft und mir den Dorftrottel (ja, den gibt’s hier noch und nein, er war in keinem Spiegel) und die Geschäfte angesehen. Nicht gerade eine reiche Stadt, alles ist leicht angegammelt. Oder die Einwohner horten ihr Geld lieber – Lithgow hat nämlich scheinbar mehr Banken als Einwohner. Insgesamt hat das Städtchen aber wirklich Charme. Die Menschen leben vermutlich von der Kohle, die in direkter Nähe immer noch oberirdisch abgebaut wird. Zwei große Kraftwerke liegen in direkter Nähe angesiedelt. Wenn die Landschaft so viel Platz bietet, wie hier, ist das alles kein Problem.

Zwischen Mudgee und Lithgow ist die Landschaft übrigens sehr schön, wenn auch etwas herb. Sieht ein bischen aus, wie im schottischen Hochland. Mindestens einem weiteren Menschen ist das ebenfalls aufgefallen, denn der künstlich angelegte und sehr harmonisch in die Landschaft eingepaßte Stausee an der Straße heißt Lake Windamere. Na gut, da hatte der andere den Lake District in Nordengland im Sinn. Passt ebenfalls.

Überall an der Straße lagen totgefahrene Rotfüchse – es muß sehr viele davon geben.

Als Heike wieder wach war, haben wir uns noch einige (nicht unbedingt empfehlenswerte) Pasteten geholt und gegessen und dann ging es weiter nach Katoomba. In Katoomba befinden sich die Scenic Railways und die Scenic Flyway. Erstere ist eine flunderflache Zahnradbahn, zweitere – und mit der hingen wir über einem gähnenden Abgrund – ist eine Seilbahn, die direkt über den dortigen Wasserfall fährt. Der Fluß fällt dort bestimmt 300 m tief in eine Schlucht. Das Tal (eigentlich ein breiter Canyon) ist riesig groß und fast überall von steilen Klippenwänden aus Kalkstein umgeben. Die Oberkante des Kalksteinplateaus macht das ursprüngliche Niveau aus. Der Canyon darunter, heute dicht mit Eukalyptuswäldern bewachsen, wurde im Lauf der Jahrmillionen ausgewaschen. Die „3 Sisters“, drei am Rand des Plateaus stehengebliebene Felsnadeln, haben wir natürlich auch besichtigt.

bluemountains

Der Canyon gehört zu den Blue Mountains – angeblich so genannt, weil die Luft aufgrund der Eukalyptusöl-Dämpfe bläulich schimmert. Ein sehr beliebtes Naherholungsgebiet der Sydneyer. Insgesamt war das aber alles viel enttäuschender, als von den Reiseführern suggeriert wurde. Viel zu viele Menschen für unseren Geschmack. Darunter jede Menge schnatternder und wie wild fotografierender Japaner. Wenn wir zu Fuß hätten ins Tal gehen können und durch den Eukalyptus-Canyon wandern, wäre das bestimmt sehr schön gewesen, aber aufgrund Heikes Krankheit fiel das verständlicherweise aus.

Oben am Viewpoint stand ein dickbäuchiger Aboriginee in Lendenschurz und stellte sich gegen Geld für Fotos mit Touristen zur Schau. Manchmal spielte er kurz auf seinem mitgebrachten Digeridoo. Das konnte er richtig gut. Trotzdem ziemlich peinlich das Ganze! Ich kann nur hoffen, daß er noch die Selbstachtung besitzt, die Touristen als die Doofen anzusehen zu denen sie sich machen und sich einen Spaß daraus macht, sie vorzuführen. Anschließend wollten wir eigentlich die Wentworth Falls ansehen, verpaßten ihn aber durch „Trick 17″. Ich folgte einem Schild, auf dem stand:“ Wentworth Falls Lake“. Und dachte, es seien der Wasserfall und der See gemeint. War aber nur der uninteressante Badestausee. Als wir wieder auf die Hauptstraße kamen, war es mitten im Ortskern von Wentworth. Die Fahrtrichtung in Richtung Sydney, die ich einschlug, stellte sich dann leider auch als die falsche heraus, den Fall hatte ich mit meinem Schlenker zum See Schwupp die Wupp umgangen. Also ließ ich etwas frustriert die Falls die Falls sein und fuhr weiter Richtung Sydney. Das ist wirklich eine verdammt große Stadt! Flächig! Wir fuhren und fuhren auf dem Einfall-Highway und kamen doch nicht zum Stadtkern. Irgendwann wurde es dann doch plötzlich innerstädtisch, die Häuser höher und die Leuchtreklamen greller. Seit der Stadtgrenze hatten wir schon Ausschau gehalten nach einem Schild zu einem stadtnahen Campingplatz, aber nichts entdecken können. Die Guides halfen uns nicht weiter und Daniels Beschreibung von dem Platz auf dem er und Meike vor einem Jahr waren, war doch recht vage. Ich hielt dann an und fragte – nach dem Bezahlen von 160 Litern (!) Diesel nach dem Weg. Der Tankwart wußte von nichts, aber eine Bekannte, die neben ihm saß, lieferte eine recht passable Beschreibung. Aber auch nur passabel. Also fuhren wir frei der Nase nach, immer der passenden Himmelsrichtung hinterher. Und fanden den Campingplatz tatsächlich im Süden der Innenstadt in der Nähe der Hafenanlagen! Wüßte Gegend! Der ‚Manager‘ des Platzes, von dem wir schon Daniel hatten begeistert erzählen hören, ist ein schmerbäuchiger, vollständig tätowierter Motorradrocker. Der ziemlich schmierige Boß erhob sich erst nach längerem Zögern und kam auf unser wiederholtes Klingeln hin aus seinen Katakomben seines schon geschlossenen Büros und knöpfte uns kurzerhand und ohne Quittung $20 ab. Der Platz ist gar nicht so übel und reichte, von den wirklich grausigen sanitären Anlagen einmal abgesehen, für unsere zwei Übernachtungen allemal. Dafür liegt er ziemlich direkt an der S-Bahn-Linie in die Innenstadt. Der Manager hat auch einen Knecht, den ‚Caretaker‘. Der lebt zwei Wohnwagen weiter und hat ein hölzernes Schild an der Tür, was ihn als eben diesen ausweist. Der Caretaker ist ein freundlicher Typ und sieht aus, wie frisch bei ZZ-Top desertiert. Der Manager hat seine Harley im Vorraum seiner Behausung stehen, der Caretaker darf seine blaue Kawa Z 650 nur außen am Wohnwagen unter ein Vordach stellen. Ganz klare Verhältnisse.

Donnerstag, 21.5.98

Heute sind wir ziemlich pünktlich aus dem Bett gefallen. Heike geht’s Gott sei Dank wieder deutlich besser. Ich selbst habe auch ein bisschen was abbekommen, bin aber nur etwas schiggerig. Die volle Virendosis habe ich wohl nicht abbekommen. Ich also, zack ausse Betten und sach‘ noch, ich geh‘ ma duschen. Boah ey, sohne Duschen tust Du ins janze Bochum nich‘ finden, dat jib‘ dat jarnich‘. Schmuddelig und eng, ohne Vorraum, jegliche Haken oder Ablagen. Und kalt is dat – sooo klein! Der Manager dagegen, der schon um 8.30 Uhr patroullierte, war offensichtlich ohne Kater aufgewacht und plötzlich überraschend freundlich. Auf die Frage nach der Bahnstation sagte er:“ Straight up onto the hill.“ Nicht erschöpfend, die Auskunft, auch nicht so ganz richtig, wie sich herausstellen sollte, aber immerhin! Mit einem weiteren Mal fragen fanden wir die Underground dann leicht. $2,40 für jeden, hin und zurück, sind auch ein guter Preis, da kann man nicht meckern. An der Town Hall sind wir ausgestiegen und kamen gerade zurecht, als die ersten Läden öffneten.

alteschiffeWir sind dann die George Street zum Hafen hinuntergebummelt und an den Circular Quays vorbei zu den „Rocks“, dem ältesten Viertel der Stadt gegangen, wo auch die Touristen-Information liegt.

Die konnten uns sagen, wo wir Outdoor-Geschäfte finden – wir wollten ja noch Outback-taugliche Wanderschuhe kaufen. Unsere heimischen Alpen-Treter sind hier einfach zu warm. The Rocks haben wir am Rande gestreift – da beißt einen der galoppierende Touristen-Nepp. Dafür haben sie die alten Häuser ganz nett restauriert. Wir haben uns dann entschlossen, erst einmal eine Hafenrundfahrt zu machen, was in manchem Sinne fast einer Stadtrundfahrt durch die Innenstadt gleichkommt. Captain Cook Tours brachte uns beide für $32 zur Oper, weit in Richtung Meer zu einem kleinen gemütlichen Vorstadtort, zum Zoo auf der anderen Seite des Fjords, und wieder zurück zum Darling Harbour, einem sehr schön modernisierten Teil der alten Hafenanlagen.

oldharbour

Dort befinden sich auch das Maritime Museum und das Aquarium. Vom Boot aus sieht man auch sehr gut, wie schön Sydney ist! Eine örtlich relativ begrenzte Skyscraper – Skyline, viel Grün, jede Menge strahlend blauer Himmel darüber und eine sehr angenehme weltoffene Atmosphäre.

sydneyview

In Darling Harbour gibt es eine „Freßmeile“ und daneben, die zum Maritim-Museum gehörenden, alten Schiffe zu sehen. Das Maritim Museum haben wir uns leider nicht angesehen –  es ist zu groß und hätte uns allzu viel Zeit gekostet. Dafür kommen wir noch mal wieder ;-). Dafür war aber das Aquarium ziemlich spannend! Das Schnabeltier hat sich zwar meistens vor uns versteckt, aber die Außenanlagen im Hafenbecken, die waren wirklich klasse. Der Besucher wird durch unterseeische Glasröhren durch zwei Areale geführt. Einmal mit dem Motto „Flachwasser-Fische“ und einmal zum Thema „Hochseefische“. Als Betrachter kommt man direkt an die Fische heran, so daß man sie berühren könnte, wenn die Glaswände nicht wären. Das ist besonders beeindruckend, wenn die bis zu ca. 3 m langen Haie und Rochen im Tiefseebecken gefüttert werden. Dazu steigen Taucher mit Aqualungen in das Becken. Die sehen sich sichtbar vor, während der Fütterung. Die Haie schauten schon immer so listig. Nach der Aquariumsbesichtigung, die bei Kindern jeglichen Alters bleibende Eindrücke hinterläßt, war es dann nicht mehr weit bis zur Clarence Street, Ecke Druid Street und dort fängt Sydneys Outdoor-Meile an. Einen Fleece-Pullover, der Heike genehm war, fanden wir trotz beachtlicher Auswahl nicht, dafür aber für jeden von uns ein Paar im Preis reduzierter knöchelhoher Wanderschuhe, genau wie wir sie gesucht hatten. Für $ 59 das Paar waren wir dabei und das für Schuhe von wirklich hochwertiger Qualität. Schwein gehabt, denn ansonsten waren die Preise vergleichbar mit denen in Deutschland. Es lohnt sich nach unserem Augenschein meistens nicht, darauf zu spekulieren, Waren preiswerter als zu Hause zu bekommen. Mittlerweile waren wir ziemlich fußlahm, gingen aber tapfer weiter in Richtung Botanic Gardens. Die sind absolut fantastisch. Leider waren um 17.00 Uhr die besonderen Attraktionen, das Farnhaus und das Tropenhaus, schon zu. Aber auch der umgebende, riesige Park ist fantastisch angelegt und wirklich ebenso schön wie erholsam. Unsere anschließende Suche nach einem Restaurant gestaltete sich nicht so einfach, wie gedacht. Wir hatten uns zunächst in Richtung Town Hall gewandt, anstatt zum Circular Quay zurückzugehen, wo wir einige Restaurants gesehen hatten. Leider war am Rathaus nix zu finden. Schließlich fanden wir eine ganze Fressmeile im Untergeschoß des Queen Victoria Buildings, einem riesigen überdachten Einkaufszentrum im viktorianischen Stil, gebaut als Gußstahlkonstruktion. An sich schon sehenswert! Die Restaurants dort unten sind offen gestaltet und mit Bistro-Tischen ausgestattet und deswegen für gehoben-luxuriöse Ansprüche eher nicht geeignet. Aber zum einen hatten wir die heute abend nicht und zum anderen waren wir hungrig wie die Bären! Der malaiische Take-Away, den wir uns aussuchten bot unvermutete Köstlichkeiten, wirklich sehr lecker! Vor allen Dingen das Huhn-Satay kann ich bestens empfehlen. Huhn in Zitronenmelisse, Curry und Kokosmilch klingen vielleicht nach einer merkwürdigen Mischung, ist aber ungemein schmackhaft. Auch gar nicht vergleichbar mit den Gerichten in entsprechenden Restaurants in Deutschland. Es muß wohl daran liegen, daß die Zutaten frischer und die Köche hier noch etwas näher dran sind, an Ihrer ursprünglichen Kultur. Australien ist, im Gegensatz zu den USA, auch heute noch ein echtes Einwandererland, so daß häufig gerade Asiaten in der ersten Generation Ihrer Familie in Australien leben. Die Rückfahrt mit der Underground war dann überhaupt kein Problem, den im Victoria Building gibt’s eine Station. Und unsere müden Füße hatten für den Tag endlich Ruhe.

Freitag, 22.5.98

Heute standen wir gegen 10.00 Uhr auf – es war ein „Fahrtag“ geplant. Kilometerfressen bis möglichst nah an Melbourne und den Wilson Promontory Park heran. Und das zieht sich! Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, 800 km zu schaffen, aber die notwendigen Erholungspausen, das relativ langsame Auto und die meist kurvigen Landstrassen eingerechnet, sind es letztendlich doch nur 550 Kilometer geworden. Diese langen Fahrten machen uns nichts aus. Wir fahren beide ganz gerne Auto und man sieht so unheimlich viele interessante Dinge am Wegrand. Man darf nur nicht den Fehler machen, jeden Tag so weite Strecken fahren zu wollen und man muß bereit sein, im Prinzip beliebig häufig anzuhalten und auf Erkundungstouren zu gehen. Wenn man 10 Stunden Tageslicht rechnet, ist es auch beim Zurücklegen weiter Strecken gar kein Problem schöne Wandertouren oder jede Menge Stops zum Beine vertreten einzuplanen. Heute zog sich die Fahrzeit schon von Sydney bis hinter Wollongong allein 1,5 h. Geschwindigkeitsbeschränkungen und Ampeln verdarben uns den Schnitt. Kiana ist dann, obwohl sehr nah an Sydney, schon sehr ländlich und ausgesprochen reizvoll. Eine grüne, mit Gras bewachsene Klippenküste, die bis direkt an das Meer herangeht und dort von einigen kleinen Sandstränden unterbrochen wird. Wer es eher kleinstädtisch mag, der lebt dort sicherlich ganz ausgezeichnet.

coastalline

Die Great Dividing Range im Hinterland sieht man von dort aus noch nicht. Schade, denn wir lassen diese wilden Berge bewußt links liegen und es wäre ja nett gewesen, wenigstens aus der Ferne einen Blick darauf zu werfen. In Bateman’s Bay haben wir angehalten und sind in einem überraschend großen Supermarkt eingefallen. Dazu muß ich sagen, daß Heike und ich im Urlaub zu Gelegenheits-Supermarkt-Junkies werden. Es ist einfach interessant, weil anhand der Waren und deren Verteilung und Gewichtung sehr viel über ein Land ausgesagt wird. Häufig gibt’s auch Waren, von denen Europäer so gar nichts ahnen. Hier zum Beispiel Vegemite, eine Pflanzenpaste als Brotaufstrich, die sehr dubios aussieht und – zumindest für unseren Geschmack – auch so schmeckt. Von „Deutsch-Aussies“ weiß ich aber, daß die in Deutschland unter echtem Vegemite-Entzug leiden! Obst ist zu unserer Freude in Australien merkbar preiswerter als in Deutschland und meist auch viel frischer und vielfältiger im Angebot. Ansonsten ist das Sortiment sehr breit gefächert. Jede der Einwanderer-Nationalitäten hat wohl ihre besten Eßgewohnheiten mitgebracht. So gibt es 5 verschiedene Arten Champignons (japanisch) mit teils erstaunlichen Wuchsformen, jede Menge amerikanisches (Gegrilltes, Salate) und, anders als in den USA, sehr guten und vielfältigen Käse (Deutschland, Holland). So sind wir vollgepackt mit den guten Sachen aus dem Supermarkt gewankt und hatten leichte Schwierigkeiten, daß alles auch rutschfrei zu verstauen. (Heike macht gerade einen excellenten Obstsalat, während ich hier sitze und schreibe.) Anschließend suchten wir uns einen abgelegenen Schotterweg mitten ins grüne Niemandsland und verspeisten Grillhähnchen und Maracuja-Eis bei hervorragendem Panorama. Anschließend ging es munter weiter – nach einem Fahrertausch, versteht sich. Der Toyota ist bezüglich der Sitze übrigens erstaunlich bequem und gut gefedert. Muß er aber auch, weil die Blattfedern des robusten Fahrwerks nicht die komfortabelsten sind und einem vermutlich die Bandscheiben einzeln rausschütteln würden. Außerdem nervt auf Dauer, daß hinten im Auto alles mögliche rappelt. Dennoch ist der Wagen, wenn man den Einsatzzweck bedenkt, ein erstaunlich guter und akzeptabler Kompromiß. Der Dieselverbrauch hat sich auf etwas unter 15 l /100 km eingependelt. Vor Bega kommen dann die hügeligen Ausläufer der Dividing Range bis an den Highway heran und die Landschaft wird richtig bezaubernd schön. Ich habe einmal irgendwo gelesen, daß der Mensch ein genetisch bedingtes Schönheitsempfinden für bestimmte Landschaften hat – nämlich hügelige, grüne, mit offenem Bewuchs. Wegen der guten Mischung aus Wildbestand, Fruchtbarkeit des Bodens und Deckung gegen Raubtiere. Na ja, ich halte das für doch etwas arg weit hergeholt, aber wie auch immer, die Landschaft durch die wir fuhren, entsprach fast klischeehaft dieser Beschreibung. Als wir kurz vor Bega waren, wurde es langsam dämmerig und durch die Abkühlung der Luft über den Bergen etwas dunstig. Das färbte die Landschaft in ganz vielen verschiedenen zarten Blautönen ein. Und darüber dann der orange Sonnenuntergang. Das war wirklich ein ganz besonderes Schauspiel, daß nichts mit dem kitschigen Sonnenuntergängen von Postkarten zu tun hatte, die einem vielleicht spontan einfallen. Ich bin wirklich gespannt, ob der Fotoapparat wenigstens einen Hauch dieser Atmosphäre rüberbringen wird. (Anmerkung: Hat er natürlich nicht… Irgendwann beiße ich in den sauren Apfel und werde mir doch noch eine Großformatkamera anschaffen! Noch eine Anmerkung von 2013: Das können gute digitale Spiegelreflexkameras heute zutage besser) Wir sind dann bei Dunkelheit durch Eden (!) in den Staat Victoria hineingefahren. An der (virtuellen) Grenze wurden wir per Schild freundlich begrüßt, aber gleichzeitig auch strengstens ermahnt, kein Obst einzuführen. Ja, ich oute mich! Ich bin ein Gesetzloser! Einer der frisches Obst nicht in bereitgestellte Mülltonnen wirft! Nun sind wir auf einem kleinen, aber ganz gut, von einer jungen Frau geführten Camping in Genoa. Draußen ist es ziemlich lausig kalt! Mehr als 5°C hat es bestimmt nicht mehr. Tagsüber war es durch die Sonne nie kälter als 20°C, aber jetzt merken wir, daß wir fast im lokalen Winter hier sind und mittlerweile fast im äußersten Süden angekommen sind. Gerade eben, noch auf der Zufahrtsstrasse zum Platz ist uns noch der größte Brüller passiert! Uns lief ein leibhaftiger, großer, fetter Wombat vor das Auto. Hat natürlich noch gereicht mit dem Bremsen, aber er sah ziemlich dusselig aus der Wäsche als er sich von dannen trollte. Wie die Campingplatzbesitzerin anschließend sagte: „Den möchte ich auch nicht anfahren!“ Nicht nur weil er so sympathisch aussieht, sondern auch, weil er unsere Roobar ganz ordentlich verbiegen würde. Im Licht der Scheinwerfer sahen wir dann noch einen Beutelmarder oder so etwas vor uns von einem Baum flüchten! Mit schwarz/weiß geringeltem Schwanz – ungefähr eineinhalb europäische Marderlängen. (Au Backe – ob das eine Standardmaßeinheit ist…?)

Samstag, 23.5.98

Es hat gefroren heute nacht! Allerdings nur in unserem Kühlschrank (;-) Den hatten wir auf Stufe 3 von 5 verfügbaren und morgens „gobs koa Milli net“, weil sie eingefroren war. Einen schlechten Wirkungsgrad kann man diesem Gaskühlschrank also schon mal nicht nachsagen. Draußen war es in dieser Nacht sicher nur unwesentlich wärmer. Wir haben den dritten Schlafsack quer über unsere Beine gelegt, damit es nicht zu kühl wurde. Der Wagen besitzt ja keine Heizung. Schon irgendwie eigenartig – bislang hatte ich mit ganz Australien immer Hitze assoziiert. Das Wetter ist strahlend und straft die Kälte in der Nacht Lügen. Und aufie ging’s! Zwischen Karlo Creek und Cann River blendete ein Auto auf und warnte uns vor einem unscheinbaren, am Straßenrand geparkten Privatwagen – mit einer Blitzkamera vorn am Kühler. Mitten in der Wildnis – die Hundesöhne! Cann River ist, ebenso wie viele andere Städte am Highway, ein Kaff, was den Eintrag in der Landkarte fast nicht verdient. Eigentlich vollkommen egal. Uns entsteht nur ein kleines Problem, weil die Karte die Einträge der Ortschaften vollkommen diffus bewertet. So stellen sich teilweise regionale Zentren auf der Karte winzig dar und umgekehrt besitzen als große Ortschaften eingetragene Ansiedlungen in der Realität kaum 3 Häuser. So geschehen mit Orbost, wo wir eigentlich eine Pause machen wollten. Unsere deutsche Karte enttäuschte uns auch. Wir wollten eigentlich das in Lake Entrance eingetragene Aboriginal-Museum besuchen. Das gibt’s dort aber gar nicht. Erst etwas weiter, in Bairnsdale, liegt ein Aboriginal Homestaed mit Museum. Hatte leider am heutigen Samstag zu. Lake Entrance liegt am einzigen Zugang zum Lake Reeve, einem See, der eigentlich keiner ist, sondern von einem Haff – einer kilometerlangen, schmalen Landzunge – vom Meer getrennt ist.

nehrungDahinter liegt eine große Seenplatte, so daß die Küste hier richtiggehend von Wasserflächen zergliedert ist. Am Haff gibt es rund 60 km weißen Sandstrand! Wenn das nicht der Traum aller Badenixen ist! Sieht auch toll aus, aber ist um diese Jahreszeit leider zu kalt zum Baden. Immerhin erstand Heike endlich ein preiswertes und besonders schönes Fleece-Shirt. Damit ist meine kleine Frostbeule nun auch abends und nachts gut verpackt! Apropos Nacht: Hier wird es schon um 17.00 Uhr dunkel und damit hatten wir auch nicht gerechnet. Natürlich hätten wir nur einmal unseren Grips etwas anstrengen müssen, aber schließlich ist es doch in Australien niemals kalt. Warum sollte es dann dunkel sein? Oder so… Jedenfalls beschränkt uns das im Moment deutlich merkbar die nutzbare Tageslänge. Wir wollen deswegen von jetzt an etwas früher aufstehen. Im Urlaub. Die Australier selbst haben sich bestens daran angepaßt, wie es scheint. Ab ca. 17.00 Uhr ist hier vollkommen tote Hose – kein Mensch und kein Auto mehr zu sehen. Wir sehen es auch an den Öffnungszeiten der Restaurants. In Foster, 60 km vor dem Kern des Wilson-Promontory-Parkes, wo wir heute (sehr gut und gemütlich) in  einem Hotel-Restaurant aßen, kamen die ersten Gäste kurz nach uns, gegen 17.30 Uhr schon. Da wäre bei uns noch lange nichts los. Bis Foster war außer Wald nicht viel zu sehen. Dafür war in Stratford upon Avon (tataah!) das Benzin deutlich preiswerter als im gesamten Umland, warum auch immer. Der schlecht kalkulierende Tankwart war aber ausnehmend freundlich und fröhlich. Der krönende und ziemlich aufregende Abschluß des Tages war die Fahrt durch den Wilson Promontory Park von Foster aus bis Tidal River! Es fing an zu regnen und war zappenduster. Man sah nicht die Hand vor Augen, das Licht der Scheinwerfer wurde schon 5 Meter vor dem Wagen von der Dunkelheit verschluckt, die Straße war superschmal und der Wald wuchs dicht bis an die Straße heran. Es stürmte mittlerweile so stark, daß jede Menge Äste abgerissen wurden und auch auf der Strasse lagen. Und dann kamen sie! Man hätte bei dem Wetter eher Vampire erwarten können, es waren aber jede Menge Wombats! 5 Stück saßen im Laufe der Fahrt direkt auf oder neben der Fahrbahn. Ein Känguruh meinte auch noch, daß Verhalten nachahmen zu müssen. Und die ließen sich alle nicht stören! Denen mußte man erst an die dicke Wampe fahren, damit sie geruhten, von der Straße zu hoppeln! Vielleicht sind die Wombats auch nicht die hellsten, die erschreckten sich immer erst eine Minute nachdem wir vorbei waren. Jedenfalls konnte ich nicht schneller als 40 km/h fahren, immer mit Fernlicht und das Adrenalin bis zur Haarkante. Jetzt stehen wir, trotz aller Wombat-Angst, auf dem Campingplatz des National-Parks nachdem wir uns im Dunkeln, beim Licht der Scheinwerfer, einen Standplatz ausgesucht haben. Das war nicht schwer, denn wir sind fast die Einzigen hier. Im Moment prasselt der Regen wie wild auf das Dach, der Wind rüttelt am Wagen und bei uns drinnen ist es schweinegemütlich!

zum Teil 3 der Australien-Tour

Abkürzung zu Teil 5

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s