Australien Teil 3 (von 7)

Sonntag, 24.5.98

Mannoman, das war eine Nacht! Wir hatten aus Faulheit gestern abend das Dachbett nicht mehr aufgebaut, sondern unten geschlafen. Da fehlen dann aber 35 cm in der Breite, wodurch wir uns nicht gerade ausbreiten konnten. Ziemlich unbequem und das nur weil wir gestern zu bequem waren. Außerdem hatten der Sturm und Regen in der vergangenen Nacht einen Höllenlärm am Auto veranstaltet!. Der Reigen peitschte auf das Hochdach und der Sturm hat den Wagen teilweise so stark aus den Federn gehoben, daß wir dachten, die Karre kippt jeden Moment um. Leider war das Wetter heute morgen nur unwesentlich besser. Also haben wir schweren Herzens, statt einer ausgedehnten Wanderung, nur einen kurzen Walk in die Whiskey Bay gemacht. Die Wellen kamen mächtig an den Strand gedonnert und es war ein beeindruckendes und wildes Schauspiel, wie ich es bis jetzt noch nirgendwo anders gesehen habe. Und der Lärm dabei! Eingedenk der lauten Nacht, hatten wir beide langsam wirklich die Nase voll. Das kann einen richtig zermürben.

promontory

Auf der Fahrt aus dem Prom heraus waren wir ziemlich brummelig – so eine Pleite! Nach Melbourne zog es sich ganz schön lange. Auf dem Weg gibt es in Korumburra eine kleine Museumsstadt, die einer Bergwerksstadt um die Jahrhundertwende nachempfunden wurde. Dort gab’s auch eine kleine Dampflok, die auch tatsächlich fahrbereit war und unter Dampf stand.

In Melbourne selbst ist der Princess Highway, der uns schon von Sydney hierher gebracht hatte, dann 3-4-spurig ausgebaut, so daß es heute, am Sonntag, kein Stress war in die Stadt zu kommen. Dürfte sonst anders sein. Dennoch war erstaunlich viel los auf den Strassen. Als Ziel hatten wir uns zunächst die Royal Botanic Gardens ausgewählt. Ringsherum ist noch so einiges an Attraktionen zu besichtigen, wie Museen, das Stadium etc. Einen Parkplatz zu finden war deshalb gar nicht so einfach. Etwas ernüchternd – am Ende der Welt gibt’s die gleichen täglichen Problemchen wie bei uns zu Hause. Der botanische Garten war absolut fantastisch. Ein riesengroßes Areal! Und nebenan noch weitere Parkanlagen – und das alles mitten in der Stadt. Ich war schwer beeindruckt – ein echtes Stück Lebensqualität! Der botanische Garten ist nach Themengebieten geordnet und schon über 100 Jahre alt. Daher sind viele der einheimischen und exotischen Bäume bereits sehr groß. Dazu kommen ein großer See mit Teichvögeln, ein Kräutergarten, sowie Glashäuser mit Kakteen und tropischen Pflanzen. Insgesamt sehr interessant und noch dazu ausgesprochen erholsam.

Wir brachen dann um 15.30 Uhr auf und fuhren über den Highway nach Geelong und Torquay. Torquay ist offenbar eine der Weltpilgerstätten für Surfer. Wellensurfer, versteht sich. Einmal im Jahr wird hier ein Lauf zum Worldchampionchip ausgetragen und überhaupt dreht sich hier alles um das Surfen. Auch der Besitzer des Restaurants, in dem wir gerade gegessen haben, war Surfer mit Leib und Seele. Vermutlich auch ein unter Surfern bekannter Profi. Er hatte jedenfalls eine Menge Surf-Fotos an den Wänden und einen technischen Bauplan eines (vermutlich selbstkonstruierten) Surfbrettes. Das war ein ausgesprochen unkomplizierter und netter Mensch, der uns, als er unsere Reisroute hörte, direkt einige Tips und einen Stadtplan von der Stadt gab, wo er selbst vor einiger Zeit Urlaub gemacht hatte. Die läge direkt am Weg für uns und die müßten wir uns unbedingt ansehen. Das von seinem Koch servierte Essen hätte auch in einer europäischen Großstadt keine Konkurrenz zu scheuen gehabt. Es war phantasievoll zusammengestellt, ausgesprochen frisch und insgesamt ganz ausgezeichnet. Heike aß Cajun-Gumbo mit allerhand Meeresfrüchten und war begeistert davon. Mein Essen war ein Fisch in Teigmantel mit einer Zitronensoße und ebenfalls ausgezeichnet. Und für europäische Verhältnisse mal wieder echt preiswert – $55 mit allem Drum und Dran – da kann man nicht meckern.

Montag, 25.5.98

Von gestern möchte ich noch die Aussprache des ‚Surfriders‘ nachtragen, als er das schöne Wörtchen Adelaide aussprach. Er sagte nämlich „Äddillaaeidde“, hier lautmalerisch nachempfunden. Das verstehe ersteinmal jemand! Als ich ihm nach dreimaligen Nachfragen – ich kam mir schön ziemlich blöd vor – erklärte, daß ich die Stadt wegen seiner Aussprache nicht verstanden hätte, erklärte er mir breit grinsend – wieso das denn, es gäbe doch nur eine richtige Aussprache. Recht hat er, das Schlitzohr. Heute haben wir verpennt, weil ich beim Umstellen der Uhr auf eine frühere Weckzeit, vergessen hatte, den Wecker anschließend wieder zu aktivieren. Menschliches Versagen… Dusseliger als das, war die Tatsache, daß Heike’s Virus mich nun doch erwischt hatte. So kam es, daß ich mich heute fast ausschließlich von Aspirin ernährte und Heike die ganze Strecke fahren mußte. Das klappte aber ganz gut, weil die Strecke zwar kurvig, aber interessant und kurzweilig zu fahren und außerdem mit vielen Gelegenheiten für Pausen ausgestattet war. Bis Lorne war die Küstenstraße noch nicht sonderlich spektakulär, einzig der protzige Holzbogen über der Straße, der da sagte: „Great Ocean Road“. Von Lorne bis Apollo Beach war die Küstenroute schon ganz nett und die Straße schon so kurvig, daß man einen Drehwurm bekommen konnte. Wir wünschten uns beide unsere Motorräder herbei! Vom Aussehen der Szenerie gut mit dem Highway No. 1 an der Californian Coast vergleichbar. Ich habe die (alte) Route einmal in einer Reportage im Fernsehen gesehen. So sieht’s hier auch aus. Ziemlich steile Felsenböschung, allenfalls kleinere Strände in den Felsenklippen und alles kräftig grün bewachsen. Heike ist vollkommen begeistert von der grünen und tief dunkelblauen Farbe des klaren Wassers. Die Spitze der Landzunge wird von der Straße nicht nachvollzogen, sondern abgeschnitten und plötzlich wähnt man sich im grünen und hügeligen Wales. Als die Straße dann wieder runter zum Meer verlief und daran entlang, ging richtig die Post ab!

sevensistersDer ganze lange Küstenabschnitt bis Peterborough besteht nur aus einer hohen, roten Steilküste aus Sandsteinsedimenten. An der höchsten Stelle bestimmt 70 m über dem Meeresspiegel. Da der Sandstein relativ weich ist, frißt sich das stürmische Meer in die Küste und formt die wunderlichsten Konstruktionen. Die 12 Apostel, große, freistehende Säulen mitten im Wasser, sind auf diese Weise entstanden.

Früher hießen die übrigens  „die Sau und ihre Ferkel“. Irgendwie passender, aber wohl auf Dauer nicht touristisch ‚fein‘ genug. Dann gibt’s auch noch sogenannte Blowholes, eines davon besonders berühmt. Es liegt gut 100 m entfernt von der Küstenlinie – weil die Klippe stark mit Büschen bewachsen ist, sieht man die Küste gar nicht mehr. Das Loch gähnt als tiefer Abgrund, ca. 30 m im Durchmesser, und besitzt eine Tunnelverbindung zum Meer. Heute war nicht soviel Seegang, aber wenn die Dünung hochgeht, dann verschließt das Wasser beim Durchströmen den kompletten Kanalquerschnitt und verdrängt dabei schlagartig die darin befindliche Luft. Dann spritzt das Blowhole wie ein Geysir und „brüllt“ dabei. Sagt der Reiseführer. Das ganze gab’s dann auch noch in einer weiter erodierten Form zu bestaunen, bei der der Tunnel bereits eingestürzt und erweitert war. Heike ist dann noch – per steiler Treppe – zum einem Strandabschnitt runtergestiegen. Mit meinem dröhnenden Schädel war mir das ganze heute zu anstrengend und ich blieb im Auto. Auf dem Parkplatz zurück wurde sie dann von einer Horde auskundschaftender Reiseleiter angesprochen. Die haben im Feldversuch getestet, was sie später mit den Touristen im Schlepptau unternehmen und ansehen wollten. Als Tip hatten die den Tower Hill, hinter Warrnammbool. Aber davon später. Kurz vor Warrnammbool liegt nämlich Logan’s Beach, vor dem um diese Zeit jedes Jahr Wale auftauchen, um hier Ihre Junge zu gebären. Dann kann man sie von Strand oder vom Boot aus springen und spielen sehen. Leider sind die dicken Biester in diesem Jahr nicht pünktlich! Daran kann nur der El Niño schuld sein ;-). Wir haben uns dann noch in der Tourist Information erkundigt, aber die konnten uns auch nur sagen, daß die Wale in diesem Jahr noch nicht aufgetaucht sind. Nach einem kurzen Ergänzungseinkauf sind wir dann ein paar Kilometer weiter, zum Tower Hill, gefahren. Das ist ein erloschener Vulkan-Kegel, der einmal mit großem Knall explodiert sein muß und dabei noch ordentlich Asche niederregnen ließ. Das Resultat ist ein riesiger, mittlerweile stark erodierter und vollständig begrünter Krater mit einem flachen Kratersee und mittig darin einem Kegel und alten Lavabetten. Hört sich viel spektakulärer an, als es in Wirklichkeit aussieht. Der Krater ist einfach schon zu grün und zu stark in das Landschaftsbild integriert, um uns noch vom Sockel zu hauen. Craters of the Moon, in den USA, ist da schon ein vollkommen anderes Kaliber. Wer die kennt, kann sich Tower Hill einfach sparen. Jetzt sitzen wir, auf dem Weg in die Grampians, auf einem scheinbar städtischen Campingplatz in Penshurst. Wir haben gerade für $3 French Fries verdrückt – einen in der Riesengröße so nicht beabsichtigten Berg Pommes und dazu 2 halbwegs eßbare Hamburger mit roter Beete (baah). Der Laden war ein wilde Mischung aus Take-Away, Zeitungskiosk, Tabakladen und Minisupermarkt und in den 5 Minuten, in denen wir da waren, ausgesprochen rege besucht. Jeder Menge armer aber lustiger Bauernburschen mit ulkigem Akzent, die uns interessiert und ungeniert bestaunt haben.

Dienstag, 26.5.98

Irrer Campingplatz heute Nacht! Der muß in der Post bezahlt werden, aber da war natürlich so spät abends keiner mehr. Die Toiletten und Waschgelegenheiten sind aber nur mit Schlüssel zu öffnen, so daß wir diesbezüglich auf die notdürftigen Toiletten aus dem öffentlichen Bowling Center nebenan zurückgreifen mußten. Dafür haben wir aber nachträglich nix mehr bezahlt – wofür auch? Nur fürs Rumstehen und das auch noch auf einem schief angelegten Platz (auf dem man nachts auf eine Seite des Bettes rollt) gibt es nichts. Dafür erwartete uns heute morgen bildschönes Wetter, wie gemacht für die Grampians. Die Grampians sind Bergketten, die aus aufgeworfenen geologischen Schichten bestehen, die einseitig (auf der Wetterseite) wieder stark erodiert worden sind. Dadurch sehen die Grate ziemlich bizarr aus – scenic, wie der Aussie so sagt! Es lief wieder jede Menge wildes Getier herum. Angeblich sogar bis hin zu Schnabeltieren, aber die sind sehr scheu, so daß wir sie nicht zu Gesicht bekamen. Wir sind mit dem Auto bis ca. 2 km vor den Gipfel des Mount Wilson gefahren und dann zu Fuß weiter bis auf den Gipfel gegangen.

schloesserDer Zugang zum Gipfel ist mit einer Schranke gegen Autos verschlossen, weil oben auch eine Antennen-Anlage ist. Interessant war nun, wie die Schranke abgeschlossen wurde! Einen Schlüssel für jeden Menschen des Wartungspersonals nachmachen zu lassen, war wohl mitten im Nirgendwo nicht so einfach. Also haben die Aussies jeder ein eigenes Schloss gehabt, die ‚in Reihe geschaltet‘ das Tor verschlossen. Das nenne ich Improvisation. Da das die höchste Erhebung in den Grampians ist, hat man einen wirklich grandiosen Blick von dort oben! Viel erstaunlicher war, daß fast gar kein Wind herrschte und es sehr still war auf dem Gipfel. So entstand ein wirklich majestätische und friedliche Stimmung, die wir ausgesprochen genossen.

rullerouWir sahen ein wuscheliges kleines Felsenkänguruh, was es sich nahe des Weges gemütlich gemacht hatte und sich auch von uns, die wir uns vorsichtig anpirschten, nicht stören ließ. Es hatte sich zwischen zwei Büschen in den von der Sonne warmen Sand gekuschelt und saß dort wie ein Yoga-Meister. Auf dem dicken Hintern, die Hinterbeine und den Schwanz nach vorne gelegt, und klappte dann den Oberkörper auf die Beine herunter. Auf diese Weise schnuffelte es den Kopf zwischen die Beine und hatte die warme Sonne auf dem Rücken. Wie es das aushält, ohne das ihm sofort diverse Körperteile einschlafen, war uns nicht nachvollziehbar.

didge_drehNach dem Abstieg haben wir dann das Aboriginal Homestead und Museum im Park besucht. Die hatten dort erstmalig ein paar (recht mickrige) Digeridoos zu verkaufen, ansonsten war es aber leider absolut uninspiriert gemacht und daher eher uninteressant. Schade, und etwas eigenartig, warum so ein Forum nicht besser genutzt wird. Immerhin ist es ja fast eine stehende Redewendung, daß die Aboriginals keine Foren und keine Lobby haben. Der leider ebenfalls recht muffige Kassierer des angeschlossenen Ladens sagte uns immerhin, daß er ein Geschäft für Digeridoos auf der Hauptstraße in Horsham kenne. Das haben wir in der Tat auch gefunden und sie hatten auch ein paar schöne Stücke, waren aber um die Mittagszeit geschlossen. Zum Einen wollten wir nicht so lange warten und zum Anderen denke ich doch, daß noch mehr Läden kommen, die sicher auch noch weit größere Auswahl bieten. Daniel sagte jedenfalls, es gäbe die Geschäfte im Dutzend billiger und mit riesiger Auswahl, als ich ihm erzählte, ich wolle mir ein Digi kaufen. Nach Horsham ging’s dann on the road in Richtung Adelaide (remember: „Äddillaaeidde“). Hier gab es einen Vorgeschmack auf die viele Kilometer langen, schnurgeraden Straßen des Outbacks. Auch ganz gut ausgebaut, häufig mit emergency lanes und ziemlich viel Schwerlast-Verkehr. Statt „emergency stopping lane“ las Heike neulich auf einem Schild im schnellen Vorbeifahren „emergency Shopping lane“, was uns nun wieder vollkommen begeisterte! Man stelle sich vor: Eine mitteleuropäische, gut situierte Dame auf dem Weg in die Einkaufzone leidet bereits auf der Anfahrt unter akutem Shopping-Entzug! Was liegt näher als eine rettende emergency shopping lane!

Wir sind heute abend bis Keith gekommen, wo wir einen städtischen, aber sehr gut ausgestatteten Camping fanden  – sogar mit Pool. Der größte Witz dabei – den Platz leitete ein alter Berliner, seinen alten, ebenfalls berlinerischen Kumpel immer im Schlepptau. Die zwei sind zwar etwas einfach gestrickt, aber überaus freundlich und sehr direkt in Ihrer Art. Beide sind nach dem Krieg aus Deutschland weggegangen und trafen sich hier beim Bau der Eisenbahnlinie durchs Outback. Wir bekamen direkt ein ‚Sonderangebot‘ für die Übernachtung gemacht. Mit Heater gegen die kalten Nächte – und Stories aus ihrer Jugendzeit bis zum Abwinken.

Mittwoch, 27.5.98

Die sich erhitzenden Heizdrähte des so freundlich angebotenen Radiators haben leider so grauenhaft nach dem Zigarettenqualm gestunken, der sich darauf festgesetzt hatte, daß wir das Gerät nicht weiter benutzt haben. Wahrscheinlich wären wir sonst die ersten Menschen gewesen, die entgegen dem Inhalt des bekannten geflügelten Wortes dennoch ‚erstunken‘ wären. Dann lieber etwas frösteln. Die ausgezeichneten Duschen auf diesem Camping rissen das locker wieder raus!. Das Essen im Motors Inn, das uns der Berliner als besonders vornehm gepriesen hatte, war in der Tat recht gut. Heike aß ein Steak vom Emu. Die Kellnerin erkundigte sich ganz besorgt und sehr freundlich, ob wir (zunächst war das Emusteak auch meine Wahl) denn rare (blutig) gebratenes Fleisch mögen würden. Darauf hin blieb die Wahl bei Heike, die ja im Notfall Rinder sogar roh verspeisen würde – gut etwas übertrieben habe ich jetzt – minimal. Emu jedenfalls ist so blutig auch wieder nicht, dafür schmeckt es erstaunlicher Weise nach Wild, oder so ähnlich. Demnach nicht so sehr mein Geschmack, Heike jedoch hat für ‚wildes‘ etwas übrig und war begeistert. Die Konsistenz war sehr angenehm, zart, aber ‚bissig‘. Keith, die Stadt, in der wir waren, hat ein Faltblatt gedruckt, in dem – neben einem Stadtplan – auch jede Menge harrsträubender Selbstbeweihräucherung zu finden ist. Im Grunde genommen ganz niedlich, weil sie permanent zu rechtfertigen versuchen, warum es die Stadt überhaupt gibt. Immerhin wissen wir jetzt: Keith ist der Nabel der südlichen Hemisphäre, was die Produktion von Alfalfa-Samen angeht. Na ja. Okay. Von Keith aus ging’s dann geradewegs nach Adelaide, mit jeweils einer Rast am Wege in Murray Bridge und Hahndorf. In Murray Bridge werden Raddampferfahrten auf dem Murray angeboten. Leider wohl nur im Sommer. Es lag auch nur ein kleineres Schiff am Quay. Schade, denn ich habe ein ausgesprochenes Faible für Raddampfer und hatte ein Foto von einem wirklich prachtvollen Exemplar gesehen, auf dem man wohl sonst Fahrten unternehmen kann. Das ist nun einmal leider der Nachteil, wenn man außerhalb der lokalen Saison fährt.

Hahndorf war eine echte Show für sich! Das ist die zweitälteste deutsche Stadt Australiens und soll laut Reiseführer die deutschen Eigenarten weitgehend bewahrt haben. Als wir das lasen, hatten wir uns noch nicht viel dabei gedacht. Aber was für ein Joke! Australische Holz/Papphäuser, die mehr oder weniger erfolgreich Fachwerkhäuser imitieren und überall pseudo-deutsche Gemütlichkeit. Der Höhepunkt war dann jedoch der Restaurant-Anreißer, der in kurzer Lederhose und Gamsbarthut auf dem Gehweg flanierte. Dabei wurde Hahndorf von preussischen Auswanderern gegründet, die aus religiösen Gründen aus Deutschland emigrieren mußten. Da kommen komische Assoziationen hoch. Immerhin konnten wir original nach deutschem Rezept gefertigte Bierbeißer-Würstchen kaufen und hätten auch Sauerkraut und Kassler aus eigener Produktion bekommen können. Darüber hinaus biß uns auch hier der gnadenlose Touristennepp in die Waden, weswegen wir dieses wundersam skurrile Dörfchen denn auch eher schnell hinter uns ließen. Adelaide, nach ein paar Kilometern hinter Hahndorf schon erreicht, ist deutlich kleiner und provinzieller, als die anderen größeren australischen Städte, die wir bislang gesehen haben. Eher übersichtlich und alles geht eine Spur gemütlicher und ruhiger. Wir sind allerdings, bis auf einen kurzen Stopp, nur durchgefahren, da uns der Sinn nicht nach Großstadt stand und wir endlich ins Outback wollten. Heike wollte auch lieber eine Pause am Wasser machen, daraus wurde jedoch nichts. Wir hatten uns Steaks gekauft und wollten irgendwo an einem schönen Rastplatz am Meer den BBQ-Grill anwerfen. Es gab aber, ganz anders als bisher am Wege, weder schöne Rastplätze, noch BBQ’s. Dafür eine 4-spurige Straße, auf der wir mit 110 km/h ‚voranpreschen‘ durften. Plötzlich warnten uns Schilder davor, daß dies nun Roadtrain-Country sei. Wir hatten direkt hinter Adelaide, am Stadtrand schon die rieseigen Abstell- und Rangierplätze für die Roadtrains gesehen, auf denen die Anhänger von den Trucks abgeholt werden. Bislang sind wir aber nur Trucks mit 2 Anhängern begegnet. Eine Eigentümlichkeit ist es, daß die Trucks kleine, kurze  Anhänger spazieren fahren, an denen dann die Auflieger angehängt werden. Daher ist jeder angehängte Wagen immer ein Auflieger, der keine eigenen Vorderräder besitzt. In diesem Zusammenhang habe ich heute noch etwas Ungewöhnliches gesehen. Die Bahn transportiert diese Auto-Auflieger ebenfalls. Dabei werden immer 2 Auflieger durch eine primitive Drehlafette verbunden. Die Auto-Räder hängen erhöht frei in der Luft. Ist ein ganz anderes System, als das mit den Euro-Containern in Europa. Die uns bekannten Container gibt’s allerdings auch hier. Die bekommen nur jeweils ein passendes Fahrgestell angeschraubt und haben kein weiteres Chassis, wie in Europa. Sah jedenfalls so aus – aus direkter Nähe habe ich das nicht gesehen. Aber zurück, zu den inexistenten Rastplätzen … Eigentlich auch kein Wunder, denn der Küstenabschnitt ist durch Industriehafenanlagen auch ziemlich verschandelt, so das die Aussicht auf solchen Rastplätzen auch nicht unbedingt erbaulich wäre. Auf der Landkarte ist das so nicht zu erkennen.

bergkette

Wir fuhren zu guter Letzt bis zum Mount Remarkable National Park durch, wo wir jetzt auf einem sehr hübsch gelegenen staatlichen Campingplatz stehen. Der hat zwar überhaupt keine Duschen, bietet dafür aber fertig gehacktes Pinienholz für die vorbereiteten Grillplätze. Das sind immer drei Feuerstellen, im Kreis angeordnet und mit eigenen Grillrosten versehen. Auf diese Weise lernten wir ein Päarchen in unserem Alter kennen. Australier, die mit dem Studium fertig sind und nun seit einem dreiviertel Jahr durchs Land fahren. Mit wenig Geld und Minimalmitteln. Irgendwann demnächst wollen sie sich wieder Arbeit suchen, um dann entweder mit dem Geld weiterziehen zu können oder seßhaft zu werden. Sehr nett, die beiden. Sie scheinen wohl alle beide Vegetarier zu sein – sie machten sich in der durchgeglühten Holzkohle ein ganzes Gemüsemenü. Sie gruben einen Topf mit Gemüse und Wasser in der Asche und Glut ein und erhielten so einen einfachen Dampfkochtopf. Andere Zutaten schmorten sie derweil in einem weiteren Topf an und verfeinerten das Ganze mit allerhand raffinierten Zutaten. Sah jedenfalls recht gekonnt aus und war ausgesprochen interessant zum Zusehen, wie sie mit einfachen Mitteln Haute Quisine zauberten. Heute nacht spannt sich ein fantastischer Sternenhimmel über uns – erstmals ungestört von jeglichen Lichtquellen aus der Umgebung. Absolut überwältigend! Ich muß allerdings zugeben, daß ich bezüglich des südlichen Sternenhimmels vollkommen desorientiert bin. Bis auf das Kreuz des Südens, daß ich noch erkenne, bin ich vollkommen verloren. Aber begeistert!

zum vierten Teil der Australien-Tour

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