Australien Teil 4 (von 7)

Donnerstag, 28.5.98

Heute morgen weckte uns wieder der Kookaburra! Dies war wirklich ein besonders schöner Platz, mitten in unberührter Natur. An allen Ecken kreuchte und fleuchte es. Falls wir nochmals nach Australien kommen, ist dieser Ort schon einmal für einen längeren Aufenthalt vorgemerkt, denn es gibt hier jede Menge Naturpfade, für die wir im Moment einfach nur keine Zeit haben. Das alte Problem: Am Liebsten würden wir an jedem schönen Ort ein paar Tage verweilen. Aber da wir zum ersten Mal auf diesem riesigen Kontinent sind, haben wir uns vorgenommen, in dieser relativ kurzen Zeit zunächst einen guten Querschnitt des Landes kennenzulernen. Mit dem Wissen darum wo es uns besonders gut gefällt, können wir dann später wiederkommen zu speziellen Erkundungstouren. Und es gibt so viel zu sehen! Wir sind recht früh aus den Federn gekommen und nach einem ausgiebigen Frühstück mit Spiegelei ging’s auf nach Port Augusta. Wir wollten dort die Arid Botanic Gardens besuchen. Haben wir auch getan, allerdings hat es sich für uns Laien nicht so recht gelohnt. Fast sieht es so aus, als ob die Parkranger ein Stück der benachbarten Steppenlandschaft abgesteckt haben – und das war’s dann. Es standen zwar überall kleine Schildchen bei den Pflanzen, aber das dürfte für Biologen interessanter sein als für uns Normalmenschen. Meist sahen wir gar keinen großen Unterschied bei den verschiedenen Pflanzenarten. Leider hat auch nur ein kleiner Anteil der Pflanzen geblüht, so daß der Gesamteindruck eher karg, denn spektakulär war. Immerhin war der Spaß vollkommen kostenlos. In diesem Botanic Garden in Port Augusta änderte sich für uns dennoch einiges, denn hier ging die Fliegenplage los. Ich war gerade dabei, die Nationalblume South Australias, die ‚Desert Pie‘, eine rot blühende Pflanze, zu fotografieren, als Heike hinter mir anfing, leise zu kichern. Das sollte ihr schnell vergehen. Ich hatte ein quietschegelbes T-Shirt an, daß die Fliegen in waren Horden anzog! Ich sah wohl aus, wie ein Fliegenlandeplatz. Daran mußten wir uns in der nächsten Zeit gewöhnen. Wir wurden die Fliegen einfach nicht mehr los! Dieses scheinbar kleine Problemchen kann einen in den schieren Wahnsinn treiben! Die Viecher krabbeln überall hin! Nur wer schon mal eine Horde Fliegen hinter dem Sonnenbrillenglas auf der Augenseite sitzen hatte, weiß wovon ich hier rede!

Anschließend – wir hatten uns beim Durchfahren in Port Augusta einen Termin machen lassen – fuhren wir in eine Werkstatt und ließen einen Ölwechsel am Toyota machen. Das ging auch ganz zügig, innerhalb einer Stunde, über die Bühne. Der junge Automechaniker hatte allerdings wahrhaftig die Ruhe weg. Und eine so starken Slang, daß ich fast keines seiner Worte auf Anhieb verstanden habe. Er war aber jedes Mal seelenglücklich, wenn bei mir endlich der Groschen gefallen war! Als er hörte, der Autovermieter würde uns die Kosten erstatten, schlug er gleich noch einmal Arbeitslohn auf die Rechnung auf – natürlich ohne daß wir die bezahlen mußten. Das sind doch alles Schlitzohren! So kam es, daß wir erst gegen 12.00 Uhr aus Port Augusta herausfuhren. In der Innenstadt hatten wir erstmals Aboriginals in größerer Anzahl gesehen. Das Outback kündigte sich an.

geraetWir hatten es erst eine halbe Stunde so richtig rollen lassen, als plötzlich in der Ferne auf der Landstraße ein riesiges Apparatgestell zu sehen war. Und zack, da standen wir auch schon dahinter, am Ende einer kleinen Schlange von Autos. Das ganze war ein überschwerer Transport eines komplett montierten Minen- oder Raffineriebauteils. Wie wir nachher, beim Überholen sahen, zogen vorne drei schwere, durch Träger verbundene Sattelschlepper und dahinter war einer als Bremse angekoppelt. Die ganze Konstruktion war deutlich breiter als die Straße und stand auf einer niedrigen Fahrlafette mit bestimmt 10 Achsen. Schneller als 30 km/h war das Monstrum nicht. Von einem vorausfahrenden Wagen wurden die (klappbar konstruierten!) Straßenschilder umgelegt und  ein zweiter Trupp sperrte die Straße so ca. 15 – 20 km vor dem Transport komplett ab – immer an Stellen, wo Ausweichbuchten seitlich der eigentlichen Straßenführung vorhanden waren, um an dem Ungetüm vorbeizukommen. Wir kamen gerade in einer Situation an, wo das Biest einen Bahnübergang auf einer flachen Kiesrampe umgehen mußte, weil das Gestell nicht zwischen den fest montierten Ampeln durchpasste.

Heike war vollkommen begeistert. Ihr schwebte wohl direkt vor dem inneren Auge, zukünftig Lindemann (ihr damaliger Arbeitgeber) -Großshredderanlagen im Stück über Deutschlands Straßen fahren zu lassen! War aber auch wirklich eine interessante Geschichte, die mich ebenfalls schwer beeindruckt hat. Nach dem Überholen kamen wir natürlich nach den 20 Kilometern an den vorsorglich gestoppten Autos vorbei – die armen Schweine mußten nun erstmal warten, bis der Konvoi an Ihnen vorbeigezogen war. Heike donnerte mit einem ziemlichen Speed an den dort stehenden Bullen vorbei, die die Absperrung aufgebaut hatten. Der eine stand dicht an unserer Fahrbahnseite und schrie mit cholerisch rotem Kopf, wir sollten langsamer fahren. Alter Wichtigtuer der. Trotzdem waren wir uns eine Zeitlang unsicher, ob der womöglich jetzt zum Funkgerät greifen und uns stoppen lassen würde, um uns eine teure Moralpredigt zu halten. Es kam aber nichts dergleichen, er hat sich wohl wieder abgeregt. Es kamen dann eine Menge schöner Lookouts in dieser ansonsten gar nicht so attraktiven, weil monotonen Landschaft. Einer war direkt an einem der dort gelegenen Salzseen gelegen und wir gingen an den See runter.

saltlake

Wirklich sehr interessant! Es war noch etwas Wasser im See, aber nur mit sehr geringem Pegelstand. Am Ufer bildeten sich dicke Salzschichten und sogar richtige Berge davon. Heike zog die Schuhe aus um ins Wasser zu gehen, hat sich das aber schnell wieder anders überlegt, denn die Salzkristalle stachen ihr unangehm in die Füße.

salzamsee

Wir trafen dort am See eine junge Holländerin, den weiblichen Part eines Päarchens, das wir schon häufiger an den vorigen Lookouts gesehen hatten. Die war sehr nett und plauderte munter drauf los, daß sie beide ihren Job hingeworfen hätten und jetzt schon 7 Monate in Australien unterwegs seien. Sie waren bereits einmal die komplette Küstenlinie des Kontinents entlang gefahren. Anschließend wollten sie nach Neuseeland und auf die Philippinen und… und und… Fantastische Sache, ich frage mich nur immer, ob die Menschen hinterher zu Hause direkt wieder einen Job bekommen und überhaupt in der Lage sind, sich wieder ausreichend zu akklimatisieren, um wieder einen professionellen Job machen zu können. Es soll ja Firmen geben, die solche ‚Eskapaden‘ Ihren leitenden Angestellten ermöglichen, damit diese hinterher wieder mit neuen Ideen zurückkommen, anstatt mehr oder weniger ausgebrannt vom Dauerstress vor sich hin zu wursteln. Das funktioniert jedoch nur in großen Konzernen, die sich auch leisten können, Topkräfte so mir nichts dir nichts ein Jahr zu verschmerzen und es ist sicherlich eher die Ausnahme, als die Regel. Mittlerweile ‚drohte‘ uns bereits wieder die Dämmerung und die Roos lauern in dieser Zeit besonders aktiv am Straßenrand. So gaben wir ordentlich Gas und sind mit fast 20 Litern Verbrauch auf 100 km in einen orangeroten und galareifen Sonnenuntergang gefahren. Wow, call me Johnny! Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang kamen wir in Coober Pedy an, ohne eines der roten Riesen-Roos erlegt zu haben. Ist sicher auch besser so, denn das sind ziemlich mächtige Brocken. Rinder und Schafe standen im Übrigen auch zur Auswahl. In Coober Pedy gab’s erst einmal eine Riesenpizza für uns beide. Das Lokal verströmte einen herben Plastikcharme, aber die Pizza war echt klasse, die Besitzer sehr freundlich und die halbe Stadt anwesend. Alles inklusive auch kleiner Kinder, mit einem Riesenspektakel! Was die ganze Chose in unseren Augen wieder sehr sympathisch machte. Da wir die Pizza nicht ganz aufessen konnten, bekamen wir ganz selbstverständlich den Rest im Doggybag mit.

Freitag, 29.5.98

Coober Pedy ist schon eine Stadt mit Ausstrahlung! Es ist nur eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man diese Stadt auch mag. Schon als wir gestern nach Einbruch der Dunkelheit hier ankamen, sah die Szenerie leicht unwirklich aus. Die Stadt selbst ist ja nicht höher gebaut, als ein Bungalow. Dennoch ist sie, weil hell erleuchtet, im Dunkeln schon von weitem sichtbar. An mehreren Stellen stehen hohe, sehr helles Licht ausstrahlende Lichtmasten, so daß es in ganz Coober Pedy nicht stockfinster ist. Von weitem produziert das eine Stimmung wie aus einem Mad Max Film. Irgendwo zwischen Fußballfeld und Knastanlage. Mad Max ist ja ein australischer Film – vermutlich hat der Regisseur dieses marode Flair nicht selbst kreieren müssen, sondern einfach aus Coober Pedy übernommen, in dessen Nähe wohl auch gedreht wurde. In der Stadt selbst setzt sich der Eindruck fort. Man sieht vor den Ladengeschäften große Werbetafeln und steht dann vor einer Wellblechhütte oder einem alten Bungalow und das soll dann der Opalverkauf oder der Digeridoo-Laden sein. Des Rätsels Lösung liegt natürlich darin, daß fast alle Läden und Wohnungen komplett unterirdisch liegen. Das einzige Gebäude, was im Wesentlichen überirdisch gelegen ist, ist das Hotel. Der sonstige Eindruck von Coober Pedy ist unbeschwert bis bedrückend – je nachdem, wie es vom Betrachter ausgelegt wird. Durch die Straßen fahren Autos, die andernorts als total schrottreif gelten würden. Selbstverständlich alle ohne Auspuffanlage und mit amerikanischem V6 oder V8-Motor. Ich fand’s absolut witzig, aber es hat schon etwas bedrohliches, wenn die Karren an einem vorbeiröhren und blubbern. Das wissen die – in ihrer Optik angepaßten Fahrer – natürlich ganz genau und versuchen ganz besonders cool zu schauen. Die Digger sehen meist verwegen aus und brabbelten für uns mehr oder weniger unverständlichen Dialekt. An vielen Straßenecken stehen Aboriginals in kleinen Gruppen, nicht selten hackedicht. Sie sprechen sehr laut – fast brüllend – und eigentümlich heiser miteinander, so daß wir als Passanten uns manchmal schräg von der Seite angesprochen fühlten. Dabei ist dieser für uns Europäer aggressive Unterton gar nicht vorhanden – das täuscht. Im Gegenteil, alle Aboriginals die wir trafen, ob blau oder nicht, waren immer sehr freundlich, lächelten und waren stets zu Schabernack aufgelegt. Der Besitzer eines VW Käfers hatte 6 oder 8 in der Größe dem Fahrzeug angepaßte Spinnenbeine an den Wagen geschweißt – das sah wirklich ziemlich ulkig aus! Soviel fantasievoll zusammengebastelte Autos – fast alle mit Hunden als Beifahrer – habe ich ohnehin noch nie gesehen. Gestern Nacht fuhr einer mit einem Megaphon-Lautsprecher durch die Straßen und spielte ein seltsames Potpourri aus Fernsehsounds ab. Alles zwischen Feuergefecht und Liebesgeflüster zusammengeschnitten. Wirklich bizarr! Mir hat’s jedenfalls gefallen, weil so viel Eigenleben und Phantasie hinter dieser Lebensart steckte. Heike dagegen war wohl eher etwas verunsichert und fühlte sich unwohl. In jedem Fall ist das Leben in Coober Pedy sicher jenseits allem Normalen. Wir gingen heute morgen erst ins Miner’s Museum, daß für $ 5 pro Person eine Menge geboten hat. So zum Beispiel zwei sehr gut gemachte Multimedia-Shows zum Thema ‚Entstehung der Opale‘. Einmal aus geologisch/wissenschaftlicher Sicht (es sind Silikatverbindungen, entstanden aus ehemaligem Muschelsand) und zum Anderen aus Sicht der Eingeborenen. Letztere glauben, daß in den Anfangstagen der Menschheit ein großer Adler nach Beute suchte. Da es scheinbar noch nicht viel Nahrung gab, wollte er sich Muscheln greifen und verspeisen. Die zogen sich, um nicht erreicht werden zu können, tief in den Sand zurück. Und da sie nicht wieder hervorkamen – der Adler lauert nämlich heute noch – wurden sie zu Opalen. Anschließend wurden wir durch eine Ihrer Dugout-Wohnungen geführt und durch eine alte, außer Benutzung befindliche Mine. Mit den Modernen Grabmaschinen als Hilfsmittel kann sich jeder eine geräumige 3-Zimmer-Wohnung für ca. $ 60.000 graben lassen. Keine Ahnung, ob die Schächte für Strom und Wasserinstallationen schon inklusive sind. Ich vermute es. Die Höhlenwohnungen sind mit verschließbaren Belüftungsschächten versehen, die tags wie nachts eine gute Zirkulation und eine gleichbleibende Temperatur von ca. 25°C gewährleisten. Die Wände werden etwas geglättet, so daß es ähnlich aussieht wie Rauputz und anschließend mit einem Kunststofflack überzogen, der bis zu 25 Jahre hält. An den Decken tritt aber meist deutlich früher Salpeter-Bildung auf und der Anstrich muß wiederholt werden. Die rötlich bis gelbliche Farbe der Wände sieht recht wohnlich aus und der Boden ist mit ganz normalem Teppich ausgelegt. Von der Diele ging’s dann direkt zum Arbeitsplatz, nämlich in die Mine.

cooberpedyDies breitet sich in der immer ungefähr gleich bleibenden Tiefe der Opalschicht in alle Richtungen verzweigt aus. Damit das entsehende Labyrinth nicht so unübersichtlich ist, wird am Ende eines jeden Ganges, der eine lohnende Ader verspricht, ein Ballroom gegraben. Von diesen größeren Räumen gehen dann wieder Stichschächte entlang der Opaladern ab. In regelmäßigen Abständen werden Belüftungs- und Abraumschächte gegraben. Der nach außen geschaffte Abraum wird von sogenannten Noodlern auf Opalreste untersucht.

Heutzutage wir viel gesprengt – mit ‚Gelinite‘. Dieser Knetsprengstoff setzt Kohlenmonoxid frei, so daß die Minen erst nach ausgiebiger Entlüftung, also nach mehreren Stunden, wieder zugänglich sind. Nicht gezündete Ladungen werden penibel ausgegraben, damit kein Malheur passiert. Die Zündkapseln allein sind wohl auch nicht ganz ohne! Der Guide sagte, man fasse die Zündschnur immer nur mit 2 Fingern an, damit im Unglücksfall immer nur die Endglieder dieser Finger weggesprengt werden. Er meinte, es gäbe in Coober Pedy eine Menge Menschen ohne Fingerkuppen. Den Opal gab es dort in allen möglichen Variationen, meist in Gold gefaßt, zu bewundern und zu kaufen. Obwohl die Opale dort gut und – verhältnismäßig – preiswert sind, wollte Heike keinen haben, die sie mag sie nicht besonders. Sie sind im Übrigen auch nicht unbedingt mein Geschmack, weil sie so glittermäßig daherkommen. Auch gut, auf diese Weise haben wir mindestens $500,- nicht ausgegeben, denn bei diesen Preisen gehen die schöneren Stücke los. Nach dem Besuch der Mine sahen wir uns nun in einem Geschäft für Digeridoos um. Die hatten eine Riesenauswahl und auch sehr schöne Stücke darunter. Der Verkäufer spielte 2 Exemplare für mich an (Circular Breething beherrschte er nicht)  und der Klang war beeindruckend gut. Der Haken waren die Preise. Die Stücke, die er führte, waren nach seiner Aussage alle von einem Aboriginal-Künstlerpäarchen gemacht und in der tat mit erheblichem Aufwand hergestellt. Eigentlich waren die als (selbstverständlich spielbare) Schaustücke gefertigt. Aber die Preise gingen erst bei $ 350 los und nach oben hin entwickelten sich die Preise ungehemmt… und das war uns denn doch etwas zu üppig. Nicht das sie das nicht wert gewesen wären. Alle waren aus hartem Yarra-Holz und entweder aufwendig bemalt oder gebrannt oder kunstvoll geschnitzt. Im Vergleich zu anderen nebenan (in der Mine), die auch schon $ 250 kosteten und die noch nicht einmal anständige Wachsmundstücke hatten, war das immerhin angemessen. Ich gehe aber davon aus, daß hier einfach Touristenpreise verlangt werden und das wir schon noch gute und günstige Angebote finden werden. Hoffentlich, sonst werde ich mich ärgern.

Gegen 12 Uhr sind wir aus Coober Pedy nach Norden abgefahren. Diesmal war die Landschaft nicht ganz so öde wie gestern. Etwas mehr Variationen in Landschaft und Flora. Ein ziemlich frisch angefahrenes Känguruh hatte mehrere Aas-fressende Vögel angelockt. Unter anderem auch 2 riesige Adler, die hier scheinbar die Funktion der Geier in der alten Welt erfüllen. Leider kam ich mit der Kamera nicht nahe genug heran, um sie wirklich gut fotografieren zu können. Kurz vor Kulgera stand dann plötzlich ein Auto am Straßenrand und ein Aboriginal stand, wild mit seinem Hut winkend, daneben. Merkwürdigerweise fuhr gerade ein Caravan-Gespann von ihm weg, wieder auf die Straße. Gehalten haben wir natürlich trotzdem – er hätte ja Hilfe benötigen können. Aber, denkste! Er hatte eine mörderische Alkoholfahne und wollte uns Schnaps abkaufen. Bis wir das soweit verstanden, hat es allerdings eine ganze Weile gedauert. Die Jungs sind wirklich schwer zu verstehen, weil sie so schnarrend und meist nur in gebrochenem Englisch reden. Er hat uns noch allerhand wirres Zeugs erzählt, was wohl von seinem eigentlichen Vorhaben ablenken sollte. Er versuchte auch uns Geld zu geben, damit wir damit in Alice Springs Schnaps kaufen sollten, den er uns nach Verlassen der Stadtgrenze im Norden wieder abnehmen wollte. Nachdem wir endlich verstanden hatten, haben wir kategorisch verneint und sind direkt abgefahren. Sauer war er deswegen nicht – offensichtlich passierte ihm das meistens. Wir waren noch keine 300 Meter weit gekommen, da hielt auch schon der nächste Wagen, der sein Winken gesehen hatte. Die Frage die uns blieb, war: „Warum kauft er sich seinen Fusel nicht selber?“ Heike meinte, sie hätte von einem Verbot des Alkoholausschankes an Abos in manchen Staaten gelesen. Das kann gut sein, obwohl mir das schon etwas arg diskriminierend erscheint. Allerdings ist das Alkoholproblem vieler Schwarzer hier wohl gravierend. Wir lasen, daß nicht selten Familien hungern würden, weil die älteren Mitglieder das Sozialgeld versaufen. In Erldunda haben wir zu einem Killerpreis von $ 0,89 pro Liter noch einmal den hinteren Tank vollgemacht. Hilft nix – am Ende der Welt ist der Saft nun einmal nicht billig und am Uluru wird das wohl noch schlimmer sein. Jetzt haben wir mit unseren vollen 180 Litern ersteinmal wieder Luft für reichlich Strecke – auch mit Umwegen durch das Outback, in denen man wegen Spritlosigkeit besser nicht liegen bleibt. Nach dem Abzweig zum Uluru sind wir noch ca. 50 km bis auf die Höhe des  Mount Ebenizer gefahren. Dort liegt eigentlich nur ein kleines Roadhouse, aber hinten auf dem Hof ist ein karger Platz zum Campen eingerichtet. Außer uns sind nur noch ein Japaner oder Koreaner auf einem Fahrrad und 100.000 Fliegen hier. Abgesehen von einer Gruppe Aboriginees, die auch hier wieder Alkohol kaufen wollten und scheinbar sogar etwas bekamen. Der eine kam mit einer braunen Papiertüte aus dem Laden und grinste wie ein Honigkuchenpferd. Wir haben hier im Roadhouse sogar noch etwas zu essen bekommen – der Junior Besitzer hat extra seinen Koch später nach Hause geschickt. Das Essen war leider sehr mäßig. Steak well done und fast kaltes Gemüse – aber was soll’s – wir sind satt geworden. Während wir aßen, flitzte eine Maus permanent von rechts nach links durch den Saal. Die junge Dame des Hauses schien das zu kennen, sie hat nicht einmal kurz hingesehen. Uns hat es köstlich amüsiert.

zum Teil 5 der Australien-Tour

Abkürzung zu Teil 6

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