Reiseliteratur Teil 2/8: Kongofieber

Redmond O’Hanlon ist Brite und das merkt man seinem Schreibstil und seiner Mentalität auch an. Sein trockener Humor, der nicht davor zurückschreckt auch sich selbst gnadenlos vorzuführen, hat ihm bei mir sofort Sympathiepunkte eingebracht und macht seine Bücher ohnehin schon lesenswert. Aber der Literaturwissenschaftler und spätere Professor für Literatur, der auch Mitglied der Royal Geographical Society ist, hat auch ein Gespür für Menschen und das, was sie antreibt. In seinen Büchern verarbeitet er jeweils seine Forschungsreisen in einige der unwegsamsten Gebiete unserer Erde – in diesem Buch also seine Expedition in das wilde Herz des Kongo.

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Er reist zusammen mit einem Freund und ihr Ziel ist es, einen Beweis für die mythische Existenz des „Mokélé mbembé“ zu finden. Denn – man höre und staune – der Kongo hat seine eigene Version von Nessie, dem Urzeitsaurier.
Doch dort wo O’Hanlon hin möchte, ist tiefster Dschungel. Auch heute noch weitgehend unerforscht, keinerlei zivilisatorische Infrastruktur und… er hat sogar schon Schwierigkeiten seine Expedition zusammenzustellen, weil die Einheimischen Angst vor dem Mokélé haben. Die Behörden wollen ihn zunächst auch nicht reisen lassen, denn welcher Staat verliert schon gerne Ausländer auf Nimmer Wiedersehen? Abgesehen davon will jeder entfernt Beteiligte saftig geschmiert werden, eine Voodoo-Wahrsagerin prophezeiht ihm seinen Tod, wenn er zu lange im Land bleibt und sein Reisepartner Lary entpuppt sich als hypochondrischer Zauderer.
Unbeeindruckt von Allem führt uns O’Hanlon in eine andere Welt! Die Gerüche Afrikas scheinen uns gefangen zu nehmen, die ganz andere Mentalität und die Kultur der Kongolesen zwischen Aberglaube und Moderne reisst uns mit in einen Strudel von Ereignissen.
O’Hanlon beobachtet sehr genau und er verschont uns auch nicht mit den brutalen Problemen Afrikas. Menschen sterben dort mangels jeglicher ärztlicher Versorgung an Lapalien und die seltenen und geschützten Gorillas gelten den Einheimischen als nichts weiter als Buschfleisch.
Was dazu führt, das O’Hanlon plötzlich ein mutterloses Gorillababy vor seinen Guides beschützen muss und unter widrigsten Bedingungen buchstäblich einen Primatensäugling am Bein hat…Die resultierende Situations-Komik hat mich geschüttelt vor Lachen, obwohl die Situation der Expedition eigentlich zunehmend dramatischer wird.
Ich habe O’Hanlons wahre Geschichte teilweise richtiggehend fassungslos verschlungen! Findet das wirklich hier auf unserem Planeten statt, während wir U-Bahn fahren, im Internet surfen und uns durch Buffets futtern? Das Buch ist fast zu viel, um es auf einmal vollständig zu verarbeiten – mit dem Schließen der letzten Seite hat man das Gefühl, man müsse direkt wieder anfangen.
Mein Fazit: Das ist Reiseliteratur vom Feinsten! Unterhaltsam, horizonterweiternd, bildend und auch noch urkomisch. Es würde mich sehr wundern, wenn Ihr Euch anschließend nicht ein weiteres Buch des Autors besorgen würdet…

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Frühlingsgefühle

Hier im Alpenvorland schöpft der Frühling noch nicht so aus dem Vollen, wie es uns der Boxertreiber aus dem Rheinland gezeigt hat. Aber die Sonne gab sich heute reichlich Mühe, so daß ich sogar mit dem Handy ein nettes Foto von Weidenkätzchen an der Isar machen konnte:

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There’s a light…

Länger als 10 Minuten hat dieses morgendliche Schauspiel nach Sonnenaufgang nicht gedauert, aber es hat die Isarauen in Feenlicht getaucht:

Ein zwischen den Wolken auftauchender Drache hätte mich gar nicht gewundert – ich wäre aufgestiegen und mitgeflogen.

nackt

Was in vielen Metropolen der Welt schon gang und gäbe ist, greift nun auch in Deutschland – fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit – immer mehr um sich: Die Kamera-Überwachung im öffentlichen Raum. Allein die Verkehrsbetriebe in Berlin betreiben nach eigener Auskunft ca. 6400 Kameras. Das scheint mir flächendeckend. Dadurch, dass die notwendige Technik immer preiswerter, einfacher zu handhaben und verfügbarer wird, besitzt mittlerweile fast jede Pommes- oder Dönerbude eine eigene Kameraüberwachung. Tankstellen, Verkehrsampelanlagen, Banken, öffentliche Gebäude, Juweliere, Supermärkte und Bürogebäude gleich sowieso.

Was die Sache noch pikanter macht, ist die Eingebundenheit dieser elektronischen Augen in Netzwerke – bis hin zum Internet. Die Kameras werden viel über WLAN angebunden und sind häufig mittels Webclients über das Internet an jedem Ort der Welt einsehbar. Eine Verschlüsselung ist meistens gar nicht vorhanden oder technisch so rudimentär durchgeführt, daß die Daten von neugierigen Hackern jederzeit abgerufen werden könnten. Die Zukunft, die wir in Science Fiction Filmen vorgeführt bekommen – sie ist schon fast hier.

 

Reiseliteratur: Ein Tor zur Welt (Teil 1/8)

Die wenigsten von Euch werden bisher wissen, daß ich einmal ein Unternehmen für geführte Motorradreisen hatte. Das kam nicht von ungefähr, denn es verband meine großen Interessen für das Motorradreisen und für fremde Länder und Kulturen. Wenn man dann noch weiß, daß ich eine begeisterte Leidenschaft für das Lesen habe, verwundert es sicherlich kaum, daß ich mittlerweile – neben hunderten weiterer Bücher aller möglicher Genres – eine kleine Bibliothek mit Reiseliteratur angesammelt habe. Damit meine ich natürlich keine Reiseführer, sondern persönliche Reisebeschreibungen von Menschen, die Kulturen von innen heraus und im täglichen Leben kennenlernen. Reisen prägt die Menschen, die da unterwegs sind. Sie lernen nicht nur das Land und die Menschen kennen, sondern auch etwas über sich selbst. Ein kleines bisschen dieser Horizonterweiterung kann auch auf die Leserin oder den Leser eines guten Reisebuches überspringen. Und… es geht nicht um Fiktion, sondern all‘ diese spannenden Dinge geschehen in der Welt um uns herum tatsächlich!
Ich habe für Euch einen kleinen Querschnitt der Bücher herausgesucht, die nicht nur Reisefreunde begeistern werden und habe dabei die Bücher weitgehend ausgenommen, die sich mit dem Motorradreisen beschäftigen. Obwohl diese häufig, über die Reiseart hinaus, sehr interessant sind, denn es reist sich recht intensiv mit dem Zweirad. Ich stelle hier mal die These auf, daß eine Reise um so intensiver wird, je langsamer das Fortbewegungsmittel ist. Vorausgesetzt man reist auf eigene Faust und nicht geführt in einer größeren Gruppe. Eine Ausnahme stellen vielleicht Sammeltaxis und Busse in der dritten und vierten Welt dar – das ist sicherlich fast so kontaktintensiv, wie zu Fuß gehen…

Den Anfang machen heute die Blue Highways von William least heat moon.

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Das Buch ist eines meiner Lieblingsbücher überhaupt.

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Bloggerblümchen

Sie haben verschiedene Farben und verschiedene optische Wirkung, sind aber doch von der gleichen Art. Sie bilden Hybriden und sie leben miteinander:

Ein kleines bisschen wie wir Blogger es alle miteinander tun.
Dieser heutige post ist der 365ste in Folge auf diesem blog. Eigentlich
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Rätselzeit

Hier kommt seit Längerem mal wieder ein Rätsel für Euch:


Zugegebener Maßen diesmal etwas fies und nicht gerade einfach. Aber wie ich Euch kenne, meistert Ihr das im Handumdrehen…
Und genau so war’s…hier ist der größere und ungedrehte Ausschnitt:
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flower power

 

Es musste dringend einmal etwas den ewigen Krokus-Fotos entgegengesetzt werden, so sehr ich die kleinen Frühjahrsboten selbst auch liebe! Da kam es mir wie gerufen, daß unser kleiner Mohn die Köpfchen herausstreckte und die nachbarlichen Ranunkeln munkeln:
Ich hoffe, die Farben bringen Lächeln in Eure Gesichter und Frühling in die Herzen!
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Pingu-Tuning

Das Internet macht die Welt zu einem Dorf. Der Goldschopf-Pinguin Akiak sagte mir im Vertrauen, daß es diese Spoiler-Extensions als Rückenflosse über ebay zu beziehen gibt. Der chinesische Lieferant sei zuverlässig und günstig:

Mein Einwand, ich bräuchte keine Spoiler, brachte er mit einem coolen Blick auf meine wenig üppige Haarpracht zum Schweigen. Er fühlt sich absolut gechillt…

Ich bin mal gespannt, wie lange der Chinamann zum Liefern braucht.

Tapicolor

Die Schabracken-Tapire im Münchner Tierpark werden gut versorgt – häufig mit ihrem Lieblingsfutter. Das hat zur Folge, daß sie deutlich farbenfroher, als ihre wilden Kollegen herumlaufen:

Luise frisst für ihr Leben gern Karotten

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